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Hunde und Schlamm im Spreewald von Buenos Aires

Am Hafen von Tigre legt auch das Holzboot nach Tres Bocas ab.

Buenos Aires ist nicht nur eine Stadt voller Sehenswürdigkeiten, sondern durchaus auch eine Herausforderung: Verkehrschaos, Menschenmassen, drückende Hitze im Sommer. Eine Erholung vom Großstadtleben gefällig? Kein Problem: auf nach Tigre. Die Stadt am nordwestlichen Rand von Buenos Aires ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Porteños. Der Grund: die Flusslandschaft von Tigre, die uns an den Spreewald erinnert. Nur mit mehr Hunden und mit mehr Schlamm.

Tigre. Es sind nur 40 Minuten mit dem Zug vom Zentrum der Metropole Buenos Aires, doch als wir in Tigre ankommen, fühlen wir uns, als ob wir in einer anderen Welt wären. Drängelnde Fahrgäste am Bahnhof, der eher Provinzcharme aufweist? Fehlanzeige. Geschäftiges, hektisches Treiben auf den Straßen? Eher nicht. Die Bewohner der Kleinstadt lassen es gemächlich angehen. Wir nehmen uns ein Beispiel daran, atmen tief durch und steigen in eines der Holzboote, die am Hafen von Tigre ablegen.

In diesem Holzboot sitzen nicht nur Touristen, sondern auch Bewohner der Umgebung, die sich zu ihren Häusern fahren lassen. Jedes Anwesen hat einen großen Steg, der in den Fluss hineingebaut ist. Dieser ermöglicht den problemlosen Ein- und Ausstieg aus dem Boot. Unser Ziel erreichen wir nach einer halbstündigen Fahrt: die Insel Tres Bocas, die sich in das Flussdelta schmiegt.

Jedes Anwesen hat seinen eigenen, privaten Steg.

Jedes Anwesen hat seinen eigenen, privaten Steg.

Angekommen auf Tres Bocas.

Angekommen auf Tres Bocas.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die Karte, die neben dem Steg platziert ist. Okay, der erste Teil des Inselrundgangs besteht aus einem befestigten Weg. Danach geht dieser jedoch in unwegsameres Gelände über. Dazu der Hinweis, dass sich dieser unbefestigte Bereich in schlammigen Untergrund verwandelt, sollte es regnen oder kürzlich geregnet haben. Hm. Hatte uns unser Gastgeber nicht erzählt, dass es in den letzten Wochen für diese Jahreszeit ungewöhnlich viel Niederschlag in Buenos Aires und Umgebung gegeben hatte? Wir schauen auf unsere Füße. Flip Flops, na klar, bei circa 30 Grad Celsius. Wird schon schiefgehen, denken wir uns und machen uns auf den Weg, Tres Bocas zu erkunden.

Auf dem Hund durch den Schlamm?

Erst ein paar Meter gehen wir einen der Kanäle entlang, der uns mit seinen Brücken, den an großen Holzstäben festgemachten kleinen Booten und den großzügig angelegten Grundstücken am Rand ein wenig an den Spreewald erinnert (nur das klare Wasser und die fast überall zum Kauf angebotenen Spreewaldgurken fehlen), und schon haben wir einen treuen Begleiter: Ein Hund folgt uns von nun an auf Schritt und Tritt.

Fast wie im Spreewald.

Fast wie im Spreewald.

Nichts Ungewöhnliches in Argentinien, wo es mehr Hunde als Menschen zu geben scheint. Doch ganz glücklich sind wir über unseren vierbeinigen Wegbegleiter heute nicht, da dieser die anderen Hunde auf der Insel in Alarmbereitschaft versetzt. So entwickelt sich folgender Vorgang ein ums andere Mal: Wir passieren mit unserem Tageshund, wir nennen ihn Pedro, im Schlepptau ein Grundstück, zwei bis drei aufgebrachte Flohkissen kommen aus eben diesem herausgestürzt und schon geht das wilde Gerangel los. Ein bisschen Zähne fletschen hier, ein bisschen gegenseitig ankläffen dort. Nichts für ungut, tollt ihr mal hier herum, aber wir ziehen weiter.

Bis unsere Füße fast im Schlamm stehen. Es hat also viel geregnet in der letzten Zeit. Wir haben die Bestätigung. Was nun? Umdrehen? Erstmal nicht, entscheiden wir. So versuchen wir, uns am Rand des Weges am Gestrüpp entlang zu hangeln. Die ersten paar Meter geht dies gut. Doch ein falscher Schritt – und vorbei ist die Herrlichkeit. Zuerst bleibt der linke Flip Flop im Morast hängen, kurze Zeit später der rechte. Soll ich auf dem Hund, der mittlerweile wieder an unserer Seite ist, ein Stück durch diesen immer tiefer werdenden Sumpf reiten, frage ich mich insgeheim. Ich verwerfe die Idee aber schnell wieder. Denn was ist, wenn mich dieser abwerfen sollte? Modder am ganzen Körper – muss nicht sein.

Durch den Schlamm, der Hund folgt.

Durch den Schlamm, der Hund folgt.

Ein bis zwei Schlammpackungen später treten wir doch den Rückweg an. Es ist schließlich an der Zeit, unsere Füße zu waschen. Und wer beobachtet uns dabei? Richtig: Pedro!

Füße waschen war eh mal wieder angebracht ;-)

Füße waschen war eh mal wieder angebracht ;-)

Pedro passt sogar auf unsere Flip Flops auf.

Pedro passt sogar auf unsere Flip Flops auf.

14 Kommentare

  1. Kellinho sagt

    Hey ihr Zwei,

    habe mit großen Interesse euren Blog verfolgt. Freue mich jetzt um so mehr auf meinen Trip nach Buenos Aires. Es scheint euch Beiden ja sehr gut zu gehen auf eurer Reise. Weiterhin viel Spaß!

  2. Frau Riedel sagt

    Yeeeeah, endlich mal ein Foto von EUCH!!! Das wünsch ich mir bei jedem Bericht!!
    Liebste Grüße aus sunny Leipzig!!

  3. renecorina sagt

    Ja die Hauptsache ist, dass der perro auch eine entsprechende Provision bekam…

  4. Klaus sagt

    Hi Chrizzi,
    geiles Ding mit der Reise! Und deine gute Schreibe hast du dir bewahrt, wie ich hier sehe. Macht echt Spaß zu lesen. Alles Gute auf der Reise weiterhin, ich werde mal ein paar Empfehlungen für Galapagos rauskramen!! Und wenn ihr in Máncora vorkommen solltet: anhalten, aussteigen und ein paar Tage Party machen…

    • Von einer Reise

      Vielen Dank, Klaus. Ja, kram mal bitte ein paar Empfehlungen für Galapagos raus. In Máncora werden wir wohl nicht vorbeikommen, aber Party machen kriegen wir auch so hin… ;-)

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