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Wer ist die schönste Weintraube in Mendoza?

Die Wagen beim Festumzug stehen natürlich ganz im Zeichen der beliebten Weine.

Das Weinfest Fiesta de la Vendimia ist das Ereignis des Jahres in Mendoza. Doch nicht nur der beliebte Rotwein aus der Region steht im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Auch die Wahl zur Weinkönigin sorgt für Aufmerksamkeit. Wir haben uns unter die Feiernden gemischt, dann aber doch nicht bis zum bitteren Ende durchgehalten. Wollten wir auch gar nicht.

Mendoza. In dieser Nacht von Freitag auf Samstag ist fast ganz Mendoza auf den Beinen. Der Grund für die versammelten Menschenmassen ist das jährlich stattfindende Weinfest Fiesta de la Vendimia. Ein Großereignis in der argentinischen Hauptstadt des Weines.

Eine der Bodegas in der Region Mendoza.

Eine der Bodegas in der Region Mendoza.

Ein wichtiger Bestandteil dieser traditionellen Feierlichkeiten ist die Wahl zur Weinkönigin, bei der sich Schönheiten aus verschiedenen Regionen der Stadt Mendoza und Umgebung Hoffnungen machen, sich für ein Jahr die Krone aufsetzen zu können. Im Rahmen eines Umzuges präsentieren sich die Kandidatinnen auch in diesem Jahr tausenden Schaulustigen, unter denen auch wir uns befinden.

Auf feierlich geschmückten, häufig mit einem Motto versehenen Festwagen fahren sie durch die gut gefüllten Straßen. Sie winken in die Menge und stellen sich artig der wartenden Schar vor. Buenas noches, schallt es immer und immer wieder durch die Mikrofone. Sie setzen dabei ihr bestes, Lächeln auf – und nennen ihren Namen und verraten zudem, aus welchem Weinanbaugebiet sie kommen. Business as usal. Jede Kandidatin spült ein ähnliches Programm ab. Einige tragen der steigenden Bekanntheit des Festes bei Touristen Rechnung, indem sie ein bis zwei auswendig gelernte Sätze auf Englisch (die sich in etwa so anhören, als wenn sich ein Schaffner der Deutschen Bahn ungewollt dieser Sprache annehmen muss – nur mit einem anderen Akzent, versteht sich) über die Lippen bringen.

Auch sie möchte Weinkönigin werden - ein paar freundliche Begrüßungsworte sind da Pflicht.

Auch sie möchte Weinkönigin werden – ein paar freundliche Begrüßungsworte sind da Pflicht.

Einige Wagen sind besonders bunt gestaltet.

Einige Wagen sind besonders bunt gestaltet.

Unsere Favoritin, unsere Unterstützung hat aber nicht zum Sieg gereicht.

Unsere Favoritin, unsere Unterstützung hat aber nicht zum Sieg gereicht.

Weitere junge Frauen befinden sich ebenfalls auf den Festwagen. Ihre Aufgabe: Sie werfen Obst, Wasserflaschen und Krimskrams in die Menge. Langsam kommt etwas Karnevalsstimmung bei uns auf. Kölsche Karnevalsmusik spielen sie aber nicht, hingegen dröhnt argentinische Folklore aus den Boxen. Gewöhnungsbedürftig. Jedoch ist der Umzug eh für die Augen gedacht.

Volksfeststimmung rund ums Amphitheater

Am Samstag fällt dann die Entscheidung, wer die schönste Weintraube in Mendoza ist. Wir wollen uns das Spektakel aus der Nähe anschauen und pilgern wie viele andere Richtung Stadtpark. Dort findet an diesem Abend die Wahl zur Weinkönigin statt – in einem Amphitheater, das mit seiner weißen Bühne, seinem Wassergraben und den Zuschauerrängen ein Blickfang in der kargen Umgebung ist.

Das Amphitheater vor der am Abend stattfindenden Wahl zur diesjährigen Weinkönigin.

Das Amphitheater vor der am Abend stattfindenden Wahl zur diesjährigen Weinkönigin.

Als wir gegen 18 Uhr den Ort des Geschehens erreichen, ist dort eine Art Volksfest im Gange. Obwohl die Veranstaltung erst um 22 Uhr startet, wie wir mittlerweile erfahren haben, herrscht bereits Hochbetrieb rund um das Theater: Imbissstände sind aufgebaut, fliegende Händler verkaufen Bier und Softdrinks. Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Bus nach dem anderen fährt vor. Die Passagiere steigen auf dem staubigen Parkplatz in der Nähe des Amphitheaters aus. Zahlreiche von ihnen haben selbst gebastelte Schilder dabei, auf denen der Name der jeweiligen Favoritin steht.

Die bezahlten Zuschauerplätze sind zu diesem Zeitpunkt zwar noch leer, die umliegenden Hänge jedoch schon sehr gut gefüllt. Hier müssen die Schaulustigen keinen Eintritt zahlen. Familien haben große Decken mitgebracht, auf denen sie gemütlich Platz nehmen. Die meisten haben einen Grill angefeuert – Asado darf bei den Argentiniern halt nicht fehlen, besonders an einem solchen Festtag.

Einer von zahlreichen Würstchenvekäufern rund um das Amphitheater.

Einer von zahlreichen Würstchenvekäufern rund um das Amphitheater.

Unsere Favoritin gewinnt nicht, aber „Lebbe geht weider“

Tickets haben wir eh nicht und auf dem Hügel möchten wir nicht stundenlang ausharren, bis die Jury eine Gewinnerin ermittelt hat – deswegen machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Hostel. So sehr hat uns die Wahl zur Weinkönigin von Mendoza doch nicht in ihren Bann gezogen.

Ganz kalt lässt uns das Ereignis aber auch nicht mehr: Als wir abends auf der Dachterrasse unserer Unterkunft vor der beeindruckenden Kulisse der Andengipfel einen Rotwein aus der Region trinken, bekommen wir auf dem in der Gemeinschaftsküche stehenden Fernseher mit, dass die Wahl im vollen Gange ist. Und zu unserer Enttäuschung stellen wir fest, dass unsere Favoritin vom Festumzug des Vorabends nicht zur schönsten Weintraube von Mendoza gewählt worden ist. Zumindest nicht in diesem Jahr, denn gewonnen hat Andrea Sofía Haudet (für die Experten unter Euch).

Schöne Aussicht von Mendoza auf die Anden.

Schöne Aussicht von Mendoza auf die Anden.

Naja, es gibt schlimmeres. Wie hat ein berühmter hessischer Hobby-Philosoph gesagt? „Lebbe geht weider“. Und der kennt sich schließlich mit Wein sehr gut aus. Okay, mit Apfelwein. Trotzdem…

2 Kommentare

  1. Die Silberfelder sagt

    … oder wie Dieter Krebs sagte.. die Hauptsache is, es muss schmecke.
    Hauptsache der Wein war auch so gut, wie der Aufwand der darum betrieben wurde. Gut auch, dass ihr das Ereignis im Krankenhaus überstanden habt. Ja, wenn Einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen. Schön, eure Reise so von zu Hause aus mit zu erleben. Wir werden weiter verfolgen, was ihr noch so erlebt. Bleibt schön gesund.

    • Von einer Reise

      Der Wein war vorzüglich. Auf der Tour durch die Bodegas konnten wir mehrere davon kosten. Abschließend gab es einen kleinen Happen, damit wir nicht betrunken ins Hotel zurückkehren…

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