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Aller Anfang ist schwer

Der Ball rollt in Brasilien. Das Eröffnungsspiel der WM haben die gastgebenden Brasilianer gegen hartnäckige Kroaten mit 3:1 gewonnen. Während dieser Partie haben wir uns unter die Anhänger der Seleção in Ouro Preto gemischt. Und festgestellt, dass die Bewohner dieser beschaulichen Stadt in der Nähe von Belo Horizonte ebenfalls leidenschaftlich mitfiebern – auch wenn die ganz große Euphorie in Ouro Preto an diesem regnerischen Abend ausgeblieben ist.

Ouro Preto. Ivica Olic schlägt den Ball von links scharf in die Mitte. Der Ball rutscht durch und fällt dem brasilianischen Linksverteidiger Marcelo auf den Fuß. Eigentor. Das Team aus Kroatien führt nach elf Minuten überraschend 1:0 im Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2014 gegen den Gastgeber Brasilien in São Paulo.

Die Stimmung in der kleinen Kneipe im barocken historischen Zentrum von Ouro Preto, das rund 100 Kilometer entfernt von Belo Horizonte im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais liegt, kippt für einen Moment. Leute springen auf, gestikulieren wutentbrannt, Schimpfwörter fliegen durch den schummrigen Raum.

Vor dem Spiel: Die Kneipe füllt sich langsam.

Vor dem Spiel: Die Kneipe füllt sich langsam.

Wetten werden vor der Partie angenommen.

Wetten werden vor der Partie angenommen.

So haben die Brasilianer sich das natürlich nicht vorgestellt. Die WM im eigenen Land. Und nun der schnelle Rückstand im ersten, vielleicht richtungsweisenden Spiel des Turniers. Das ist selbst für die Bewohner der entspannten Stadt Ouro Preto zu viel.

Draußen setzt Nieselregen ein. Das passt zur jetzigen Situation, werden sich wohl die denken, die der Mannschaft in den gelben Trikots die Daumen drücken. Also eigentlich alle hier Versammelten. Bier wird an der Theke geordert. Es muss weiter gehen. Noch fast 80 Minuten bleiben den Gastgebern, die Partie zu drehen und zu ihrem, von der Weltöffentlichkeit erwarteten Ausgang zu führen.

Die Kellnerin mit einer Brasilien-Perücke.

Die Kellnerin mit einer Brasilien-Perücke.

Die Spannung steigt.

Die Spannung steigt.

Neymar erlöst Ouro Preto – und ganz Brasilien

Nach einer starken Anfangsphase der Kroaten kommen die Gastgeber nach und nach besser ins Spiel. Die Kneipe, in der wir uns als fast einzige Touristen befinden, geht mit. Schon Halbchancen werden zelebriert, es wird geschrien und verzweifelt abgewunken, wenn das Runde wieder einmal nicht im eckigen Kasten von Kroatien gelandet ist. Besonders eine dicke Frau ist nicht zu stoppen. Sie sitzt schon lange nicht mehr auf ihrem Stuhl. Wie ein Rumpelstilzchen hüpft sie durch die Gegend. Das lauteste Organ im Raum scheint die imposante Erscheinung auch zu haben.

Das stellt sie erneut unter Beweis, als Neymar – der brasilianische Spieler mit der Rückennummer zehn und der merkwürdigen Hahnenkammfrisur – mit einem platzierten Schuss aus rund 20 Metern den so ersehnten Ausgleichstreffer erzielt. Der Jubel ist groß. Wenn auch nur für kurze Zeit.

Das 1:1 ist gefallen, der Jubel ist groß.

Das 1:1 ist gefallen, der Jubel ist groß.

Denn das Spiel verflacht in den folgenden Minuten. Auch die Emotionen in der Kneipe nehmen ab. Bis zur 71. Spielminute, als der Schiedsrichter aus Japan Brasilien einen ungerechtfertigten Elfmeter zuspricht. Neymar lässt sich nicht zweimal bitten und trifft zur 2:1-Führung für den Gastgeber.

2:1 - Brasilien hat das Spiel gedreht.

2:1 – Brasilien hat das Spiel gedreht.

Jetzt ist die Euphorie zurück, die die Seleção in den kommenden Wochen beflügeln soll. In Ouro Preto. Und im ganzen Land.

In der Nachspielzeit macht der starke Offensivspieler Oscar dann alles klar. 3:1 für Brasilien. Die Fans in unserer Umgebung reißen die Arme nach oben. Sie sehen glücklich aus in diesem Moment. Wenn auch nicht überwältigt. Dafür hat die brasilianische Nationalmannschaft nicht überzeugend genug gespielt. Auch die Menschen in Ouro Preto wissen, dass in den nächsten Spielen mehr von ihrem Team kommen muss, möchte es das große Ziel – den sechsten WM-Titel für Brasilien zu holen – erreichen.

Kurz vor dem Abpfiff.

Kurz vor dem Abpfiff.

Das Spiel ist aus, Brasilien gewinnt 3:1.

Das Spiel ist aus, Brasilien gewinnt 3:1.

Public Viewing wie leergefegt

Nach dem Abpfiff verlassen wir die urige Kneipe – und laufen über nasse Kopfsteinpflaster zum in der Nähe gelegenen Hauptplatz der Stadt. Eine große Leinwand wurde heute Nachmittag dort aufgebaut. Public Viewing – auch im beschaulichen Ouro Preto.

Am Nachmittag vor dem Spiel wird die Leinwand aufgebaut.

Am Nachmittag vor dem Spiel wird die Leinwand aufgebaut.

Nur ein paar Zuschauer sind während der Übertragung der Eröffnungsfeier dort.

Nur ein paar Zuschauer sind während der Übertragung der Eröffnungsfeier dort.

In entsprechender Kleidung.

In entsprechender Kleidung.

Tote Hose, als wir ankommen. Ein paar vereinzelte Zuschauer, die mit Regenponchos ausgestattet sind, machen sich durch die frische Nacht auf den Heimweg. Rudelgucken ist fürs Erste in Ouro Preto durchgefallen. Nieselregen hilft bei einer solchen Veranstaltung allerdings auch nicht wirklich, sollte zur Verteidigung erwähnt werden.

Der Hauptplatz der Stadt nach dem Spiel, nichts mehr los.

Der Hauptplatz der Stadt nach dem Spiel, nichts mehr los.

Hupende Autos – mit Brasilien-Fähnchen behangen – fahren an uns vorbei. Nicht gerade ein Autokorso. Aber Trompeten sind ebenfalls zu hören. Hin und wieder auch ein lauter Kanonenschlag. Vor Freude, hoffen wir.

Eine Stadt macht sich schick für die WM

Tagsüber, vor dem Spiel, war diese bereits bei den Bewohnern von Ouro Preto zu spüren: Brasilien-Flaggen wurden an Balkone angebracht, Brasilien-Trikots aus dem Schrank geholt und Gesichter mit den brasilianischen Farben grün und gelb bemalt. Sambamusiker spielten sich zudem auf den Straßen schon einmal warm.

Die Brasilien-Fahne ist an vielen Häusern in Ouro Preto zu sehen.

Die Brasilien-Fahne ist an vielen Häusern in Ouro Preto zu sehen.

Brasilien hofft auf den sechsten WM-Titel.

Brasilien hofft auf den sechsten WM-Titel.

Auch hier ein Haus in Grün und Gelb.

Auch hier ein Haus in Grün und Gelb.

Und noch eins.

Und noch eins.

Es war alles vorbereitet, für einen großen Fußballabend. Das dieser mit einem mühsamen Sieg gegen Kroatien endete – und die Stimmung in Ouro Preto nicht gerade durchgängig als überschäumend zu bezeichnen war, schieben wir einfach mal auf Anlaufschwierigkeiten. Und auf das nasse Wetter rund um das Spiel.

Auch die Straßen sind geschmückt.

Auch die Straßen sind geschmückt.

Genau wie die Autos.

Genau wie die Autos.

Einfach (fast) überall.

Einfach (fast) überall.

Mit Fanutensilien kann man sich auch eindecken.

Mit Fanutensilien kann man sich auch eindecken.

Und wir sind mittendrin.

Und wir sind mittendrin.

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