Brasilien, Reisegeschichten, Reisegeschichten Amerika
Schreibe einen Kommentar

Salvador: Eine Stadt, wie gemacht für die WM

Das historische Zentrum Pelourinho ist der Anlaufpunkt für Fans während der Fußball-WM in Salvador. Auch wir haben uns in den verwinkelten Gassen des Viertels herumgetrieben – und in dieser Zeit den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal gefeiert. Aber auch beim Public Viewing am Strand haben wir vorbeigeschaut und den zweiten Auftritt der Brasilianer bei diesem Turnier mitverfolgt. Zu einer anschließenden Party im Sand ist es aber nicht gekommen.

Salvador. In diesen Tagen sieht Salvador so aus, als ob sich der alljährliche Straßenkarneval mit der diesjährigen Fußball-WM vermischt. Pelourinho, das berühmte historische Viertel der Millionenstadt im brasilianischen Bundesstaat Bahia, ist an jeder Ecke geschmückt. Zwischen den wunderschön restaurierten Häusern flattern kleine, bunte Fahnen im Wind. Kunstvoll hergerichtete Brasilien-Flaggen wehen ebenfalls über den Straßen. Auf dem Praça Anchieta wurden hohe gelb-grüne Bögen aufgebaut. Das touristische Zentrum von Salvador hat sich für das Großereignis rund um den Fußball noch mehr herausgeputzt, als es eh das ganze Jahr über ist.

Eine Straße ist in den Nationalfarben geschmückt.

Eine Straße ist in den Nationalfarben geschmückt.

Bunt geht es im Pelourinho zu.

Bunt geht es im Pelourinho zu.

Auch die Häuser sind in verschiedenen Farben gestrichen.

Auch die Häuser sind in verschiedenen Farben gestrichen.

Hier hängen ebenfalls Fähnchen.

Hier hängen ebenfalls Fähnchen.

Und die brasilianische Nationalfahne - in besonderer Art und Weise.

Und die brasilianische Nationalfahne – in besonderer Art und Weise.

Das komplette historische Viertel scheint geschmückt zu sein.

Das komplette historische Viertel scheint geschmückt zu sein.

Und das sehr aufwendig.

Und das sehr aufwendig.

Salvador ist jedoch nicht nur an vielen Stellen schön anzusehen. Das brasilianisch-afrikanische Herz des Landes elektrisiert auch aufgrund seines Rhythmus‘, der von durch die Kopfsteinpflastergassen hallenden Trommelschlägen angetrieben wird. Mitglieder der Musikgruppe Olodum trommeln wie die Weltmeister inmitten des Pelourinho. Da wippen selbst die Köpfe von ungelenken WM-Besuchern aus Mitteleuropa im Takt. Einige versuchen sich sogar im rhythmischen Tanzen – es bleibt in den meisten Fällen allerdings bei ungeschickten Versuchen.

Musiker der Gruppe Olodum geben den Takt des Viertels vor.

Musiker der Gruppe Olodum geben den Takt des Viertels vor.

Die deutschen Fans tanzen zur Musik.

Die deutschen Fans tanzen zur Musik.

Nach einer dieser Tanzeinlagen stehen hunderte Stühle für die Touristen bereit. Jede Bar und jedes Restaurant hat den Betrieb auf die sonnigen Straßen ausgeweitet. Auf herausgestellten Fernsehern flimmern die WM-Spiele über die Mattscheiben. Ein Sprachenwirrwarr ist zu vernehmen, das sich in diesen Tagen um ein einziges Thema dreht: Fußball.

Die deutsche Nationalelf gewinnt, die deutschen Fans feiern

Deutschland spielt zum Gruppenauftakt gegen Portugal – in Salvador. Auch wir sind in der Stadt, wenn auch leider nicht im Stadion. Aber die Stimmung, die an diesem Montag in der Metropole am Atlantik herrscht, saugen wir trotzdem in vollen Zügen auf.

Bereit fürs Spiel gegen Portugal.

Bereit fürs Spiel gegen Portugal.

Unser Plan ist, die Partie in einer Kneipe im Pelourinho mit anderen ticketlosen Fans zu verfolgen. Um 10 Uhr – drei Stunden vor Anpfiff – brechen wir von unserem Hotel (für uns das einzig bezahlbare in diesem besonders preisintensiven Reisezeitraum) auf, das acht Kilometer vom historischen Zentrum entfernt liegt. Eine halbe Stunde soll die Fahrt mit dem Bus bis zum Praça da Sé im Pelourinho üblicherweise dauern. Doch heute ist alles anders. Auf unserer Route, die unglücklicherweise auch in der Nähe des Stadions vorbeiführt, herrscht Verkehrschaos. Die Busfahrt zieht sich wie Kaugummi.

Ein anderer Blick auf Salvador.

Ein anderer Blick auf Salvador.

Die Stadt liegt direkt am Atlantik.

Die Stadt liegt direkt am Atlantik.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke bleiben wir zeitweise komplett stehen. Die Uhr tickt aber gnadenlos weiter – und unser üppiges Zeitpolster schmilzt mehr und mehr dahin. Gegen 11.45 Uhr reicht es uns. Wir verlassen den Bus, um die restlichen Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Es ist heiß, zudem ist die Luftfeuchtigkeit hoch. Wir kommen mehr ins Schwitzen, als uns lieb ist. Hoffentlich geben die deutschen Nationalspieler – genau wie wir – gleich ebenfalls alles, scherzen wir atemlos.

Der Aufzug, der die Ober- und die Unterstadt miteinander verbindet.

Der Aufzug, der die Ober- und die Unterstadt miteinander verbindet.

Häuser im unteren Teil der Stadt.

Häuser im unteren Teil der Stadt.

Eine halbe Stunde, bevor das Spiel angepfiffen wird, erreichen wir unseren Zielort. Die deutschen Fans, die Eintrittskarten haben, haben zu diesem Zeitpunkt natürlich bereits das historische Viertel verlassen und befinden sich mittlerweile an oder in der WM-Arena. Wir begnügen uns damit, nun einen Sitzplatz mit guter Sicht auf einen der TV-Bildschirme der ausgewählten Bar ergattert zu haben. Ein paar andere Zuschauer mit weißen Trikots und schwarz-rot-goldener Schminke im Gesicht sind auszumachen. Immerhin.

Auch diese Bilder gehören zur WM 2014 - der Protest in Salvador verlief friedlich.

Auch diese Bilder gehören zur WM 2014 – der Protest in Salvador verlief friedlich.

Und das ist ein Teil von Salvador, denn hier gibt es auch bittere Armut.

Und das ist ein Teil von Salvador, denn hier gibt es auch bittere Armut.

4:0 ist der bekannte Ausgang des Spiels. Das DFB-Team feiert einen glanzvollen Auftaktsieg. Und tausende Fans aus Deutschland strömen im Anschluss daran an die Theken in der Altstadt. Bier fließt. Viel Bier. Bis in die Nacht hinein ist die Stimmung friedlich-freudig, wenn auch nicht ausgelassen. Das ersehnte Ziel namens WM-Titel ist ja auch noch in weiter Ferne.

Die deutschen Fans finden sich nach der Partie wieder im Pelourinho ein.

Die deutschen Fans finden sich nach der Partie wieder im Pelourinho ein.

Das Ende eines erfolgreichen Tages.

Das Ende eines erfolgreichen Tages.

Public Viewing mit Hindernissen

Am darauffolgenden Tag ist fast ganz Salvador erneut in Sachen Fußball auf den Beinen, schließlich tritt Brasilien gegen Mexiko an. Zwar in Fortaleza, aber auch in Bahia sind die Anhänger der Seleção mit Leidenschaft dabei.

Zur Feier des Tages spielt die Musikgruppe Olodum in großer Besetzung.

Zur Feier des Tages spielt die Musikgruppe Olodum in großer Besetzung.

Könner an den Trommeln.

Könner an den Trommeln.

Wir entscheiden uns, dem offiziellen Fan-Fest am Strand im Stadtteil Barra einen Besuch abzustatten und das Spiel auf einer riesigen Großbildleinwand zu schauen. Denn Public Viewing gibt es natürlich auch in Brasilien. Und wir staunen nicht schlecht, als wir an der Strandpromenade ankommen. Vor dem Einlass hat sich nämlich bereits eine mehrere hundert Meter lange Menschenschlange gebildet. Wir holen Bier, um die Wartezeit ein wenig angenehmer zu gestalten.

Es geht ärgerlicherweise nur sehr langsam vorwärts. Größtenteils stehen wir auf einem Fleck. Wir fragen nach der Uhrzeit – noch 40 Minuten, bis der Schiedsrichter anpfeift. Um pünktlich in den Innenbereich der abgesperrten Anlage zu kommen, verabschieden wir uns vom Fair-Play-Gedanken. Wir verlassen die wartende Schlange, gehen bis fast nach vorne und stellen uns dort einfach in den breiter werdenden Menschenknäuel.

Jeder Besucher wird sehr genau von Polizisten abgetastet und kontrolliert, wie wir jetzt aus dem Gedränge heraus sehen können, in dem es immer hektischer zugeht, da der Spielbeginn naht. Die Ordnungshüter ändern deswegen die Strategie – Kinder und Frauen dürfen an den Wartenden vorbei und einen anderen Zugang zum Gelände nutzen. Zum Glück, so muss Daniela die stärker einsetzende Hektik im Pulk nicht miterleben.

Je näher der Anstoß zeitlich rückt, desto heftiger wird geschupst und gedrängelt. Ellenbogen werden eingesetzt. Jeder probiert, sich eine gute Position zu verschaffen, um nicht mehr so lange ausharren zu müssen. Bei einigen reißt schließlich der Geduldsfaden. Sie durchbrechen eine Absperrung. Die umherstehenden Polizisten sind sich unschlüssig, wie sie mit der entstandenen Situation umgehen sollen. Sie entscheiden sich dafür, die nachrückenden Personen widerstandslos gewähren zu lassen. Auch ich schlüpfe so durch die Sicherheitskontrollen.

Wenig später haben wir einen Platz auf der Wiese vor der Leinwand gefunden. Die Sonne scheint uns ins Gesicht. Trotzdem können wir erkennen, dass die meisten Brasilianer das gelbe Nationaltrikot mit der Nummer zehn tragen. Die Hoffnungen einer ganzen Nation ruhen, so ist daraus abzuleiten, auf dem fußballerischen Können des Spielers Neymar Jr., der in der ersten Partie der Gastgeber gegen Kroatien zwei Tore erzielt hat.

Geschafft, wir sind auf dem Gelände des Fan-Festes in Salvador.

Geschafft, wir sind auf dem Gelände des Fan-Festes in Salvador.

Dieses befindet sich am Meer.

Dieses befindet sich am Meer.

Heute kann er diese Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Das Spiel endet 0:0 – und die paar hundert anwesenden Mexikaner sorgen mit ihren Gesängen für so etwas wie Stadionatmosphäre rund um die Bucht am Meer, die sich an diesem Abend nach Abpfiff schlagartig leert. Eine weitere brasilianische Party wird also vertagt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.