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Unterwegs auf dem großen Strom

Der Amazonas ist mehr als nur einer der längsten Flüsse der Welt. Zum Beispiel für die Bewohner des brasilianischen Nordens ist der große Strom eine wichtige Lebensader. Auf einer dreitägigen Schifffahrt sowie in aufregenden Städten und in einem relaxten Dorf inmitten tropischen Regenwalds haben wir das spannende Treiben am Amazonas hautnah beobachten können.

Amazonas. Bereits zu Beginn unserer Reise durch Südamerika war für uns klar, dass wir mit einem Schiff über den Amazonas fahren möchten. Mittlerweile befinden wir uns im riesigen, grünen Herzen Brasiliens, durch das die bräunlich-blaue Ader namens Amazonas fließt. Unser Abenteuer auf dem großen Strom kann also beginnen:

Belém – Das lebhafte Tor zum Amazonas

Belém. Das Tor zum Amazonas. Auch auf unserer Reise. Denn wir fahren von der nach Manaus zweitgrößten Stadt im brasilianischen Amazonasgebiet mit einem Boot über den großen Strom.

Der Start unseres Amazonasabenteuers ist in Belém.

Der Start unseres Amazonasabenteuers ist in Belém.

Um das Abenteuer auf dem wasserreichsten Fluss der Welt angehen zu können, müssen wir in Belém – die Stadt liegt im Norden Brasiliens an der Baía de Guajará – zunächst die Voraussetzungen dafür schaffen. Deswegen führt uns unser erster Gang durch die von Mangobäumen gesäumten Straßen der Cidade das Mangueiras direkt zum Hafen. Dort fackeln wir nicht lange und kaufen zwei Tickets für die morgen startende Bootsfahrt von Belém nach Santarém, in deren näheren Umgebung wir einen Zwischenstopp auf unserem Weg nach Manaus eingeplant haben.

Doch auch wenn wir bereits die Fahrkarten für den morgigen Tag in unseren Händen halten, sind wir noch nicht startklar. Schließlich benötigen wir noch je eine Hängematte, um uns in den drei Nächten an Bord bequem „betten“ zu können. Eine solche hängende Matte zu kaufen, ist in Belém allerdings wahrlich kein Problem. Rund um den Ver-o-Peso, dem Fisch- und Gemüsemarkt der Stadt, finden wir zahlreiche Geschäfte, die Hängematten im Angebot haben. Nach einem kurzen Preisvergleich sind wir stolze Besitzer von zwei dieser Schlafutensilien.

Der Ver-o-Peso, der Fisch- und Gemüsemarkt der Stadt.

Der Ver-o-Peso, der Fisch- und Gemüsemarkt der Stadt.

Unsere Hausaufgaben haben wir also erledigt. Somit haben wir jetzt noch Zeit, uns Belém genauer anzuschauen. Und wo landen wir in der Hafenstadt wieder umgehend? Logisch, am Hafen. Die reichhaltige Auswahl an Fisch und Gemüse im Ver-o-Peso betrachten wir nun jedoch genauer. Vor allem die Fischer, die ihre meist in die Jahre gekommenen Boote entladen, ziehen unsere Blicke magisch an. Der frische Fisch wird präpariert und noch vor Ort zum Kauf angeboten. Von den Verkäufern werden Preise geschrien. Die vermeintlichen Käufer halten dagegen, bis sie sich in zahlreichen Fällen einigen. Ein lautes Geschäftsgebaren, das dieser meist schroff aussehende Schlag Mensch veranstaltet. Das wahre Leben in einer Stadt wie Belém.

Fischerboote liegen vor Anker.

Fischerboote liegen vor Anker.

Auch dieses "Schmuckstück".

Auch dieses „Schmuckstück“.

Hier kann man frischen Fisch kaufen.

Hier kann man frischen Fisch kaufen.

Viele Händler bieten diesen an.

Viele Händler bieten diesen an.

Wie auch dieser Fischer.

Wie auch dieser Fischer.

Zu Belém gehören allerdings noch weitere Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die alte Kirche Catedral da Sé und die ehemalige Festung Forte do Presépio. Auch hier schauen wir vorbei, bevor am kommenden Tag das Tuten des Schiffes Liberty Star unseren Abschied aus dem lebhaften Belém verkündet.

Die Catedral da Sé.

Die Catedral da Sé.

In unmittelbarer Nähe liegt das Forte do Presépio.

In unmittelbarer Nähe liegt das Forte do Presépio.

Und gegenüber befindet sich diese Straße.

Und gegenüber befindet sich diese Straße.

Auf einem großen Platz in Belém.

Auf einem großen Platz in Belém.

Von Belém nach Santarém – Drei Tage und drei Nächte auf dem großen Strom

Der „Kampf“ um die besten Plätze geht los, als wir am Abend mit unseren Hängematten in der Hand die Liberty Star vor der Abfahrt betreten. Nur auf dem oberen von zwei Decks dürfen wir unsere Hängematten platzieren. Trotz der Hektik und des Gewusels schaffen wir es, zwei Schlafplätze nebeneinander zu erobern. Wir befestigen schnellstmöglich unsere hängenden Matten an Haken und verstauen unsere Rücksäcke direkt neben uns in einer auf dem Boden befestigten Vorrichtung. Fertig. Wir haben uns soweit eingerichtet.

Die Liberty Star im Hafen von Belém.

Die Liberty Star im Hafen von Belém.

Die Fahrt über den Amazonas kann starten. Wären da nicht die Zwiebeln. Säckeweise. Hunderte. Diese müssen von Arbeitern noch verladen werden. Und das dauert. Es sieht nach Schwerstarbeit aus. Doch auch diese harte Arbeit ist irgendwann beendet – und das alte, unmoderne Passagier- und Transportschiff, das schon bessere Zeiten gesehen hat, legt am Hafen von Belém endlich ab.

Die Fahrt startet am Abend.

Die Fahrt startet am Abend.

Aber erst müssen noch Zwiebeln verladen werden.

Aber erst müssen noch Zwiebeln verladen werden.

Wir legen uns hingegen in unsere Hängematten, lesen noch eine Zeit lang und versuchen dann, ins Traumland zu entschwinden. Dies klappt sogar ausgesprochen gut – nur, dass der laut-krächzende Schiffsmotor uns garantiert bis in unsere Träume verfolgt.

Im Morgengrauen machen wir unsere Augen wieder auf. Grell ist es. Die Sonne scheint in unsere Gesichter. Schon jetzt liegt eine wahnsinnige Hitze über dem Wasser, durch das die Liberty Star gemächlich schippert.

Am nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen.

Wir begeben uns erst einmal in die winzige klimatisierte Kantine auf dem unteren Deck, um zu frühstücken. Für ein labbriges Käsebrötchen und – wie immer in Brasilien – vorgezuckerten Kaffee müssen wir ganz schön in die Tasche greifen. Aber unsere Mägen knurren, wir haben keine andere Wahl. Bon Appétit.

Den restlichen Tag lungern wir entweder lesend in der Hängematte herum oder beobachten das Treiben auf dem Amazonas und an dessen Ufern, an denen sich nicht nur tropischer Dschungel erstreckt, sondern auch immer wieder kleine Holzhütten von Flussbewohnern stehen. Diese starten mit Holzbooten los, sobald die Liberty Star in ihrem Blickfeld auftaucht. Ein Mann erklärt uns, dass sie hoffen, Anziehsachen oder Essen von jemandem vom Schiff heruntergeworfen zu bekommen. Dies passiert allerdings nicht – sie kommen vergeblich angepaddelt.

Hängematte an Hängematte - so sieht es auf Deck aus.

Hängematte an Hängematte – so sieht es auf Deck aus.

"Abhängen".

„Abhängen“.

Ein Erinnerungsfoto in der Hängematte.

Ein Erinnerungsfoto in der Hängematte.

Der Blick vom Boot auf das Regenwaldufer.

Der Blick vom Boot auf das Regenwaldufer.

Immer wieder sehen wir dort auch Hütten.

Immer wieder sehen wir dort auch Hütten.

Diese haben in der Regel einen Steeg.

Diese haben in der Regel einen Steeg.

Dieses Boot paddelt zur Liberty Star.

Dieses Boot paddelt zur Liberty Star.

Auch diese Amazonasbewohner sind auf dem großen Strom unterwegs.

Auch diese Amazonasbewohner sind auf dem großen Strom unterwegs.

Abends steht dann Abwechslung an: Die Touristen auf dem Schiff setzen sich zu einer Runde Poker zusammen. Ich spiele die ersten Hände vorsichtig, räume jedoch ein paar Mal mit guten Karten ab, agiere dann aggressiver. Ein Norweger ist aber besser. Oder glücklicher. Ich lande auf dem zweiten Platz. Immerhin, ich erhalte meinen Einsatz zurück. Trotzdem muss ich einige Scheine herausrücken, schließlich genehmigen wir uns während des Spiels zahlreiche Biere.

Sonnenuntergang über dem Amazonas.

Sonnenuntergang über dem Amazonas.

Und noch ein Foto davon.

Und noch ein Foto davon.

Etwas beschwipst kommen wir schließlich mit einer ebenfalls trinkfreudigen Gruppe brasilianischer Passagiere ins Gespräch. Die Sprachbarriere ist in diesem Moment nicht entscheidend, denn es geht um Fußball. Da benötigt man keinen ausgeprägten portugiesischen Wortschatz. Das einfache Nennen von Spielernamen ist vollkommen ausreichend. Wir verstehen uns blendend. Und das, obwohl ich mich als Deutscher zu erkennen gebe und die deutsche Nationalmannschaft die Elf aus Brasilien im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft vor kurzem noch vorgeführt hat. Vergessen. Schwamm drüber. Deutschland hat Argentinien im Finale besiegt. Und das ist wichtig für die Brasilianer. Ein Triumph der (fußballerischen) Erzfeinde aus dem Süden in Brasilien wäre schwerer zu verkraften gewesen, so ihre Erklärung, bevor ich mich für die Nacht in meine Hängematte verziehe.

In den kommenden Tagen ändert sich nicht viel an unseren Abläufen. Spannend wird es vor allem, wenn das Schiff in einem Hafen – beispielsweise in Almeirim oder Breves – anlegt. Leute verlassen das Boot, andere steigen dazu. Zusätzlich strömt jeweils eine Heerschar von Verkäufern, die teilweise an der Außenseite des Schiffes hochklettern, um einen Vorsprung vor ihren Kollegen zu haben, auf die Liberty Star. Auch ich shoppe, mein Mittagessen. Die Nudeln mit Fleisch sind keine Delikatesse, sie schmecken aber besser als das, was es an Bord zu kaufen gibt.

Zwischenstopp in einem Hafen.

Zwischenstopp in einem Hafen.

Verkäufer kommen an Bord.

Verkäufer kommen an Bord.

Ich führe eine Verhandlung.

Ich führe eine Verhandlung.

Und kaufe mir schließlich mein Mittagessen.

Und kaufe mir schließlich mein Mittagessen.

Nach genau drei Tagen fährt die Liberty Star in den Hafen von Santarém ein. Bevor wir vom Schiff gehen, können wir von Deck allerdings noch erkennen, wie sich das grüne Wasser des Rio Tabajós mit dem braunen des Amazonas vermischt, nachdem es kilometerlang nebeneinander geflossen ist.

In Santarém weist das Wasser unterschiedliche Farben auf.

In Santarém weist das Wasser unterschiedliche Farben auf.

Im Hafen von Santarém.

Im Hafen von Santarém.

Dort treffen wir auch dieses Exemplar.

Dort treffen wir auch dieses Exemplar.

Alter do Chão – Ey Mann, wo is‘ hier der weiße Sandstrand?

Genug Boot gefahren. Wir möchten ein paar Tage in Alter do Chão entspannen. Unsere Wahl ist auf diese kleine und ruhige Amazonasstadt am Rio Tapajós gefallen, weil die umliegende Gegend als Karibik des Amazonas bekannt ist. Und wir haben gehört, dass es dort malerische schneeweiße Sandstrände geben soll. Das reicht, um uns zu überzeugen – und vier andere Touristen vom Boot Liberty Star ebenfalls, mit denen wir von Santarém mit dem Bus in das knapp 30 Kilometer entfernte Alter do Chão ruckeln.

In Alter do Chão.

In Alter do Chão.

Einer der "Bewohner" des kleinen Ortes.

Einer der „Bewohner“ des kleinen Ortes.

Das Wasser tritt fast über die Uferpromenade in Alter do Chão.

Das Wasser tritt fast über die Uferpromenade in Alter do Chão.

In Alter do Chão müssen wir allerdings eine leichte Enttäuschung verkraften. Der Grund: Die weißen Sandstrände sind leider nicht zu sehen. Das Wasser des Flusses ist in diesen Tagen einfach zu hoch. Sogar die auf dem Sand platzierten Buden sind vom Fluss fast verschluckt, nur die Strohdächer lugen noch aus dem blauen Nass heraus.

Auch die Buden stehen unter Wasser.

Auch die Buden stehen unter Wasser.

Nur ein kleiner Streifen Strand konnte sich auf der gegenüber von Alter do Chão gelegenen Ilha do Amor vor der Überschwemmung retten. Dies nehmen wir wahr, als wir von einem Motorboot auf der grünen Insel herausgeschmissen werden. Eine dreißigminütige Wanderung später stehen wir auf dem höchsten Punkt der Ilha do Amor. Von dem Berg können wir nicht nur Alter do Chão sehen, sondern haben auch einen weiten Blick über den Fluss und den angrenzenden Lago Verde.

Ein bisschen Strand ist immerhin zu sehen.

Ein bisschen Strand ist immerhin zu sehen.

Tolle Aussicht vom höchsten Punkt der Ilha do Amor.

Tolle Aussicht vom höchsten Punkt der Ilha do Amor.

Der riesige Fluss ist gut zu erkennen.

Der riesige Fluss ist gut zu erkennen.

Dieser See ist auch Teil unseres nächsten Programmpunktes. Mit ausgeliehenen Kajaks paddeln wir auf dem Lago Verde umher. Kleine Wellen erschweren dieses Vorhaben, sie bringen uns immer wieder leicht aus dem Paddelrhythmus. Doch die Anstrengungen lohnen sich spätestens, als sich ein Flussdelfin nahe unserer Paddelboote blicken lässt.

Wir haben uns Kajaks ausgeliehen.

Wir haben uns Kajaks ausgeliehen.

Die im Fluss herumschwimmenden Säuger treffen wir am kommenden Tag bei einem Bootsausflug wieder. Ein Guide fährt uns nämlich nicht nur durch die umliegenden Gewässer, sondern bringt uns auch zu einer Flussstelle, wo wir die Delfine unter die Lupe nehmen können. Doch das ist noch nicht alles: Ein Bilderbuchsonnenuntergang ist inklusive.

Bootsausflug auf dem Lago Verde.

Bootsausflug auf dem Lago Verde.

Dort gibt es auch dichtbewachsene Stellen.

Dort gibt es auch dichtbewachsene Stellen.

Dann aber wieder die Weite des Flusses.

Dann aber wieder die Weite des Flusses.

Erst abends fahren wir zurück.

Erst abends fahren wir zurück.

Fünf Tage lassen wir es uns in Alter do Chão gut gehen, bevor wir unsere Amazonasreise fortsetzen. Aber nicht wie ursprünglich geplant mit einem Schiff über den restlichen Teil des Amazonas. Wir buchen einen Flug von Santarém nach Manaus. Zum einen geht dies logischerweise schneller, zum anderen haben wir keine Lust, weitere drei Tage und Nächte dichtgedrängt auf einem Dampfer zu verbringen. Es hat Spaß gemacht, aber es reicht uns.

Manaus – Endstation unseres Amazonasabenteuers

Diese Planänderung hat zur Folge, dass das erste, was wir von Manaus sehen, der Flughafen und nicht der Hafen ist. Bei Nacht. Denn wir landen spät in der Dschungelmetropole mitten im grünen Amazonasgebiet. Mit einem Taxi fahren wir in die Innenstadt, wo wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft machen.

Beim ersten Hostel, das wir ansteuern, haben wir kein Glück. Für diese Nacht ist bereits alles ausgebucht. Auch bei der zweiten Backpacker-Herberge, deren Adresse wir unserem Reiseführer entnehmen, sind wir nicht erfolgreich – niemand öffnet uns die Türe. Planlos irren wir durch einige verlassene Straßen, bis wir ein Hotel finden, das zwar nicht gerade einladend daherkommt, uns aber immerhin ein freies Zimmer bieten kann. Wir schlagen zu – und bezahlen eine Übernachtung.

Das Teatro Amazonas bei Nacht.

Das Teatro Amazonas bei Nacht.

Am nächsten Morgen haben wir aber genug von dieser Absteige. Wir nehmen uns ein Zimmer in einem anderen Hostel, das sich im historischen Stadtkern in der Nähe des rosafarbenen Teatro Amazonas – ein Opernhaus im Stil der italienischen Renaissance – befindet. Dort entdecken wir die nette Bar do Armando, wo wir uns am Abend vor unserer Abfahrt nach Venezuela ein Bier auf unser Abenteuer rund um den Amazonas genehmigen.

Und am nächsten Vormittag.

Und am nächsten Vormittag.

Der dazugehörige Platz.

Der dazugehörige Platz.

In der Innenstadt von Manaus.

In der Innenstadt von Manaus.

Zum Abschluss gönnen wir uns in einer Bar noch einen Drink.

Zum Abschluss gönnen wir uns in einer Bar noch einen Drink.

2 Kommentare

  1. renecorina sagt

    Bar, Bier oder Drink…in dieser Reihenfolge. Prost!
    Gab es auch die verfressenen Fische alla Piranhas? Schmecken vorzüglich!

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