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Wir sind ein bisschen verknallt – in Valparaíso

Das hügelige Valparaíso in Chile.

Die chilenische Hafenstadt Valparaíso scheint in einen riesigen bunten Malkasten eines kreativen Künstlers gefallen zu sein. Farbenfroh angestrichene Häuser verteilen sich über die vielen Cerros (Hügel) der Stadt am blauen Pazifik. Zusätzlich warten schön gestaltete Graffitis und Zeichnungen in fast jedem Winkel Valparaísos darauf, entdeckt zu werden. Auch wenn die Farbe an den häufig baufälligen Häusern langsam abbröckelt, ist Valparaíso wie ein Kunstwerk, das wir tagelang mit leicht verknallten Blicken bestaunt haben.

Valparaíso. Die Stadt an einer nach Norden offenen Bucht des Pazifischen Ozeans ist in einen dichten Schleier aus Nebel gehüllt, als wir aus dem Bus, der uns von Argentinien über die Grenze nach Chile gebracht hat, aussteigen. Der erste Eindruck von Valparaíso, das knapp 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Santiago de Chile liegt, ist ernüchternd. Die Straßen, durch die wir im unteren, flachen Teil der Hafenstadt gehen, sehen wenig einladend aus. Es ist dreckig und grau – und es riecht modrig. Auch die Einwohner Valparaísos, die uns auf diesen ersten Metern über den Weg laufen, empfangen uns nicht mit offenen Armen. Mürrische Blicke werfen sie uns zu. Nach und nach lichtet sich jedoch die neblige, erdrückend wirkende Brühe in der Luft. Einige der Cerros sind jetzt zu erkennen. Auf diesen Hügeln erblicken wir hunderte bunt angestrichene Häuser. Das Grau der Stadt verschwindet. Jetzt sieht Valparaíso wie ein Klecks aus vielen verschiedenen Farben aus.

Am Mittag dieses Tages stehen wir das erste Mal auf einem der Hügel von Valparaíso. Die Sonne strahlt mittlerweile. Das Wasser des Ozeans schimmert in tiefem Blau. Wir schauen nach links: Dort ragt der große Frachthafen aus der flachen Ebene im unteren Teil der Stadt heraus. Wuchtige Containerschiffe liegen an der Küste vor Anker. Wir drehen uns zur anderen Seite und uns wird sofort klar: Die Cerros – mal mehr, mal weniger steil – machen den Charme von Valparaíso aus, die als kulturelle Hauptstadt Chiles gilt. Musiker, Künstler und Schriftsteller zieht sie wie magisch an. Passenderweise hatte der verstorbene chilenische Dichter, Nobelpreisträger für Literatur und Volksheld, Pablo Neruda, einen seiner Wohnsitze in Valparaíso.

Die Stadt am Pazifik hat einen Frachthafen - Kreuzfahrtschiffe ankern aber auch an der Küste.

Die Stadt am Pazifik hat einen Frachthafen – Kreuzfahrtschiffe ankern aber auch an der Küste.

Bunte Häuser soweit das Auge reicht.

Bunte Häuser soweit das Auge reicht.

Mit staunendem Blick über die Hügel der Stadt

Wir bleiben insgesamt fünf Tage in Valparaíso, schließlich gibt es viel zu entdecken. Das Motto lautet: in die Hügel der Stadt eintauchen. Wir schlendern rauf und runter durch verwinkelte Straßen. Um von Hügel zu Hügel zu gelangen, nutzen wir nicht nur die zahlreichen langen Treppen, sondern hin und wieder auch einen der Ascensores. Eine Fahrt in diesen wackeligen, altmodischen Aufzügen, die verschiedene Cerros miteinander verbinden, kostet ungefähr 15 Euro-Cent. Einen hervorragenden Ausblick auf die Stadt gibt es gratis dazu.

Die Ascensores verbinden verschiedene Cerros miteinander.

Die Ascensores verbinden verschiedene Cerros miteinander.

Doch besonders von den weit oben in den Hängen gelegenen Miradores auf der Avenida Alemania genießen wir die Aussicht auf Valparaíso. Auch bei Nacht. Die angegangenen Straßenbeleuchtungen sehen dann wie über die Hügel geworfene Lichterketten aus. Und hinter einem der Cerros von Valparaíso schiebt sich zu diesem Zeitpunkt langsam der Mond empor. In einer sternenklaren Nacht und bei Vollmond steht ein riesiger, leuchtender gelber Ball am Himmel. Uns bleibt die Spucke weg.

Valpo, wie die Einheimischen die Stadt nennen, in der Dämmerung.

Valpo, wie die Einheimischen die Stadt nennen, in der Dämmerung.

Mittlerweile ist die Nacht angebrochen.

Mittlerweile ist die Nacht angebrochen.

Ein Meer aus Lichtern.

Ein Meer aus Lichtern.

Der Vollmond steht wie ein riesiger, glühender Ball über den Hügeln der Stadt.

Der Vollmond steht wie ein riesiger, glühender Ball über den Hügeln der Stadt.

Wir staunen ebenfalls immer wieder, wenn wir die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Graffitis und Zeichnungen an den Hauswänden sehen. Davon gibt es Tausende in Valparaíso. Eine Zeichnung vereint zum Beispiel Werke vom niederländischen Maler Vincent van Gogh. Teilweise sind die oft baufälligen Häuser sogar komplett mit Graffitis versehen. Straßenkunst in Hülle und Fülle.

Vincent van Gogh verewigt an einer Hauswand.

Vincent van Gogh verewigt an einer Hauswand.

Eine der vielen Zeichnungen, die Valparaíso unverkennbar machen.

Eine der vielen Zeichnungen, die Valparaíso unverkennbar machen.

Weitere Straßenkunst.

Weitere Straßenkunst.

Diese ist häufig sehr aufwendig gestaltet.

Diese ist häufig sehr aufwendig gestaltet.

Sogar die Treppen sind bunt angemalt.

Sogar die Treppen sind bunt angemalt.

Es gibt sehr schön restaurierte Häuser in Valparaíso...

Es gibt sehr schön restaurierte Häuser in Valparaíso…

... aber auch baufällige.

… aber auch baufällige.

Auch die kulinarischen Spezialitäten stimmen

In Hülle und Fülle genießen wir auch eine chilenische Spezialität – leckere, heiße Empanadas. Um unseren Hunger nach den gefüllten Teigtaschen zu stillen, ist Delicias Express auf der Avenida Urriola unsere Anlaufstelle Nummer eins. Fast täglich kehren wir dort ein. Ein Gaumenschmaus.

Unser Empanada-Imbiss des Vertrauens.

Unser Empanada-Imbiss des Vertrauens.

Mir schmeckt es auf jeden Fall.

Mir schmeckt es auf jeden Fall.

Und was trinken die Chilenen eigentlich, wenn sie sich abends mit Freunden treffen und ausgehen? Pisco Sour lautet die Antwort. Die Basisspirituose für diesen Cocktail ist Pisco – ein Traubenschnaps, der sowohl in Chile als auch in Peru hergestellt wird. Ein Streitthema, der Ursprung des Getränks ist zwischen diesen beiden Nachbarländern umstritten. Uns ist das egal. Hauptsache es schmeckt. Und das tut der Pisco Sour, den wir in der Bar Ritual in der Avenida Almirante Montt trinken.

Drei Pisco Sour genehmigen wir uns jeweils an diesem Abend. Die Mischung stimmt. An den Weg zurück ins Hotel können wir uns nicht mehr ganz genau erinnern. Aber das wichtigste: Wir sind angekommen.

Danke, Valpo. Du warst toll.

Danke, Valpo. Du warst toll.

4 Kommentare

  1. Stephan sagt

    Ich habe eher das Knäuel an Stromkabeln als die bunten Treppenstufen gesehen :)…

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