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Quito: Kolonialarchitektur, Geldmacherei und Besuch aus Deutschland

Die Hauptstadt von Ecuador überzeugt mit schön anzusehender Kolonialarchitektur im historischen Zentrum. Das Äquatormonument Mitad del Mundo in der Nähe von Quito ist hingegen ein Reinfall. Wir empfinden es als Geldmacherei. Dies kann unsere gute Stimmung jedoch nicht trüben, da wir Besuch aus Deutschland bekommen, über den wir uns sehr freuen.

Quito. Der Tag, als wir Quito erreichen, ist besonders. Nicht nur, weil wir zum ersten Mal in der Hauptstadt Ecuadors sind, sondern auch weil wir an diesem Tag Besuch aus Deutschland bekommen. Susi klopft an der Tür unseres Hostelzimmers in der Altstadt von Quito. Drei Wochen reisen wir nun zusammen durch das kleine, aber feine Ecuador.

Umarmungen in einer dunklen Gasse in Quitos Altstadt

Und gemeinsam haben wir am kommenden Vormittag einen der Türme der Basílica del Voto Nacional erklommen. Die Altstadt von Quito breitet sich vor uns aus. Der Ausblick von der großen Kirche, die Ähnlichkeit mit dem Kölner Dom aufweist, ist atemberaubend. Wir sehen Haus um Haus. Und auf der entgegengesetzten Seite des historischen Zentrums blicken wir auf den Hügel, der Panecillo genannt wird und auf dem die Statue der Jungfrau von Quito thront, die in den derzeit weißen Himmel ragt.

Die beeindruckende Basílica del Voto Nacional.

Die beeindruckende Basílica del Voto Nacional.

Grandios: Blick durch die Kirchentürme in Richtung Panecillo.

Grandios: Blick durch die Kirchentürme in Richtung Panecillo.

Spiel mit der Bildschärfe.

Spiel mit der Bildschärfe.

Die Aussicht auf die andere Seite der Stadt.

Die Aussicht auf die andere Seite der Stadt.

Quito ist nicht die schönste oder aufregendste Stadt, die wir auf unserer Reise durch Südamerika bis jetzt unter die Lupe genommen haben. Nein, da fallen uns eher Rio de Janeiro, La Paz oder Valparaíso ein. Aber Quito bietet eine erstaunliche Dichte an Kolonialbauten. Dies nehmen wir erneut wahr, als wir aus schwindelerregender Höhe von der Basílica del Voto Nacional abgestiegen sind.

Unser heutiger Kirchenrundgang geht weiter. Nächster Halt: Iglesia y Convento de San Francisco. Ein monumentaler Gebäudekomplex, der sich über eine komplette Seite des gleichnamigen Platzes erstreckt. In den vergangenen Jahrhunderten wurde die Kirche häufig durch Erdbeben erschüttert. Einiges nahm dabei Schaden. Doch aufgebaut wurde es immer wieder. Und dies hat sich gelohnt. Die Iglesia y Convento de San Francisco ist nämlich nicht nur von außen schön anzusehen. Auch das Innere mit Gemälden, Blattgoldarbeiten und Schnitzereien lässt uns staunen.

Der Plaza de San Francisco befindet sich im Herzen der Altstadt.

Der Plaza de San Francisco befindet sich im Herzen der Altstadt.

Und der dazugehörige Gebäudekomplex Iglesia y Convento de San Francisco ebenfalls.

Und der dazugehörige Gebäudekomplex Iglesia y Convento de San Francisco ebenfalls.

Nach einigen Minuten können wir unsere Blicke von dieser Schönheit losreißen und ziehen weiter durch die Altstadtgassen. Straßenmusiker geben dort ihr Können zum Besten. Nicht nur Gitarren sind im Einsatz. Sondern auch Panflöten. Typisch für diese Region. Zusätzlich tanzt ein kleines Mädchen einige Tanzschritte. Es scheint zu funktionieren. Zuhörer schmeißen Münzen in den Sammelhut.

Straßenmusiker in den Altstadtgassen.

Straßenmusiker in den Altstadtgassen.

Ebenfalls im historischen Zentrum.

Ebenfalls im historischen Zentrum.

Wenig später bummeln wir über den Plaza de la Independencia. Die ecuadorianische Flagge weht auf dem Regierungspalast leicht im lauen Wind. Ältere Herren sitzen auf den grünen Parkbänken und palavern. Verkäufer preisen selbst hergestelltes Speiseeis an. Ich schlage für 25 Cent zu.

Der Regierungspalast in Quito.

Der Regierungspalast in Quito.

Doch als ich mir das Kokoseis mit Schokolade schmecken lassen möchte, werde ich von zwei jungen Kerlen von der Seite angesprochen. „Do you speak English?“ Ich bejahe. Sie fragen mich zudem, ob ich ihnen ein paar Fragen beantworten könnte? Sie müssten für ihren Englischkurs Interviews mit Touristen führen. Ich bejahe erneut. Sie löchern mich, ob ich zum ersten Mal in Ecuador sei, ob es mir gefalle, wo ich überall im Land war, welches Gericht der ecuadorianischen Küche mir besonders gut schmecke? Ich beantworte diese und noch zwei, drei weitere Fragen artig. Eine Handykamera läuft dabei mit. Dann sind wir fertig. Denke ich zumindest einen Moment lang. Bis der zweite im Bunde mir die identischen Fragen ebenfalls stellt. Na gut, auf ein Neues.

Ich werde interviewt.

Ich werde interviewt.

Denen hier ist das vollkommen egal.

Denen hier ist das vollkommen egal.

Nach der Fragestunde schnappen wir uns ein Taxi, das uns den Panecillo hinaufkutschiert. Und wieder haben wir eine faszinierende Aussicht. Dieses Mal blicken wir direkt auf die mächtige Basílica del Voto Nacional. Dabei strahlt die Sonne. Wir bleiben einige Zeit auf dem Hügel und begeben uns dann wieder in die Innenstadt.

Der Blick vom Panecillo auf die Altstadt und die Basílica del Voto Nacional.

Der Blick vom Panecillo auf die Altstadt und die Basílica del Voto Nacional.

Die Jungfrau von Quito steht auf dem Hügel Panecillo.

Die Jungfrau von Quito steht auf dem Hügel Panecillo.

Als wir dort eintrudeln, hat sich die Nacht mittlerweile über das Häusermeer von Quito gelegt. Wir schauen in der belebten Straße La Ronda vorbei. Früher war es das Rotlichtviertel, heute ist es mit zahlreichen Bars und Restaurants ein Touristenmagnet. Dementsprechend ist La Ronda an diesem Abend gut besucht.

Auf einmal kommt eine Menschentraube auf uns zu. Alle tragen gelbe T-Shirts. Und alle umarmen vorbeikommende Passanten. Die Flucht ergreifen? Entrinnen? In der engen Gasse unmöglich. Wir werden ebenfalls geherzt. Dabei grinsen sie bis über beide Ohren. Sie heißen uns in Quito herzlich willkommen. Sie sagen uns, dass sie froh sind, uns hier zu haben. Und wir uns natürlich auch freuen können, da Quito eine wundervolle Stadt sei.

Spätestens jetzt sind wir auch davon überzeugt.

Mitad del Mundo: die Mitte der Welt – oder anders ausgedrückt: Geldmacherei

Die Mitte der Welt. Einmal auf der Höhe des Äquators stehen. Das hört sich für uns verlockend an. Deswegen fahren wir vom historischen Zentrum Quitos an einem sonnigen Morgen zur Mitad del Mundo, wo unsere Vorfreude jedoch schnell in Enttäuschung umschlägt.

Dass dort eigentlich gar nicht der Äquator verläuft, wussten wir bereits vorher. Ein Messfehler von Charles Marie de La Condamine, der mit seiner französischen Expedition die Position des Äquators bestimmte, ist die Ursache für dieses geographische Missverständnis. Die Touristenattraktion, für die wir Eintritt zahlen müssen, gibt es trotzdem. Und diese kommt wie ein Freizeitpark daher, der uns nicht in Begeisterung versetzt.

In vollgestopften Geschäften innerhalb der Anlage, die einem Kolonialdorf nachempfunden wurde, wird Touristenschnickschnack wie Postkarten, Schlüsselanhänger & Co. angeboten. Alles natürlich zum Thema „Mitte der Welt“. Wir finden: Geldmacherei.

Zudem gibt es noch Restaurants – und einen Bereich, wo Lamas zur Schau gestellt werden, den wir aber gar nicht erst besuchen. Hingegen schauen wir uns eine kleine Fotoausstellung über südamerikanische Landschaften an. Die Aufnahmen sind schön, passen jedoch irgendwie nicht so recht hierher.

Im Anschluss daran erblicken wir das, wofür wir überhaupt nach San Antonio de Pichincha, nördlich von Quito, gekommen sind: das Monument, das die Mitte der Welt symbolisieren soll. Drumherum sind Fahnen gehisst. Und auf dem rund 25 Meter hohen Monolithen prangt eine große steinerne Kugel. Immerhin: durchaus beeindruckend.

Das Äquatormonument in der Nähe von Quito.

Das Äquatormonument in der Nähe von Quito.

Die Mitte der Welt? Nein, nicht wirklich.

Die Mitte der Welt? Nein, nicht wirklich.

Doch jetzt möchten wir auch den Ort sehen, wo sich der Äquator wirklich befindet. Und der wahre Äquator liegt nicht weit entfernt, fast 250 Meter nördlich des Monuments. Zu Fuß laufen wir eine vielbefahrene Straße entlang. Dann biegen wir links in eine Schotterpiste ein. Als wir die wahre Mitte der Welt erreicht haben, sollen wir erneut zur Kasse gebeten werden. Wir lehnen ab. Dies ist uns der Spaß nicht wert.

Hingegen steigen wir in einen Bus, der zum Pululahua hinaufdonnert. Wenig später betrachten wir den Krater des Vulkans, der untypisch daherkommt. Denn das Naturreservat ist nicht nur der erste Nationalpark des Landes, sondern gilt auch als der einzige bewohnte Vulkankrater in Ecuador. Und ja, wir sehen ein paar vereinzelte Häuser in der Graslandschaft, bevor wir wieder ins dichter bewohnte Quito – und den alten Kolonialbauten – aufbrechen.

Der bewohnte Vulkankrater Pululahua.

Der bewohnte Vulkankrater Pululahua.

2 Kommentare

  1. Andreas Thielemann sagt

    Hey Christian,
    Du hast mich gerade in die Zeit meines zweiten Praxissemesters zurückgeholt. Für Sommer Fernreisen habe ich von März bis Oktober 1994 für 7 Monate in Sangolqui – 20 Min von Quito – gearbeitet …. und habe alle Touren durch Ecaudor gemacht … Danke für die schöne Zeitreise – und Euch noch einen tollen Trip!

    Saludos
    Andy

    • Von einer Reise

      Hola Andreas, schön, von Dir zu lesen. Gern geschehen, es war mir eine Freude :-) Und vielen Dank für Deine netten Worte. Liebe Grüße in den Pott. (PS: Wir kommen da wieder raus, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben!)

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