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Über Umwege zum Vulkan Cotopaxi

Cotopaxi ist nicht nur ein imposanter Vulkan zwischen Quito und Latacunga, sondern auch der meistbesuchte Nationalpark Ecuadors. Unser eintägiger Aufenthalt erhöht die Besucherstatistik. Doch fast wären wir nicht einmal am Fuße des Berges angekommen.

Cotopaxi. Der ältere Herr, von Beruf Busfahrer, nickt eifrig, als wir ihm am Busbahnhof der Stadt Latacunga, die 90 Kilometer südlich von Quito liegt, unsere Bitte mehrmals hintereinander mitteilen: Wir möchten nur einige Kilometer mitfahren, denn er soll am Eingang des Nationalparks Cotopaxi anhalten und uns dort rausschmeißen. Verstanden, kein Problem, lässt er uns wissen. Dann drückt er auf das Gaspedal und der Bus setzt sich in Bewegung. Wir machen es uns in den Sitzen gemütlich – und freuen uns darauf, bereits in wenigen Minuten am Fuße des Vulkans zu stehen.

Doch unsere Freude hält nicht lange an. Beim Blick durch das Busfenster sehen wir den Vulkan langsam an uns vorbeiziehen. Der Schnee des Gletschers funkelt dabei in der warmen Morgensonne. „Hat er uns vergessen?“, frage ich Daniela. Da wir aber nicht sicher sind, wo sich der Eingang des Nationalparks befindet, bleiben wir erst einmal sitzen. Aber nur kurz, denn unsere Verunsicherung wächst. Wir fragen beim Busfahrer und seinem Assistenten nach. Mit ausdruckslosen Gesichtern schauen sie uns an. Am Eingang des Nationalparks seien wir bereits vorbei, sagen sie. Der vergessliche Busfahrer tritt auf die Bremse.

Verärgert steigen wir aus dem Bus und verlangen unser Geld zurück. Schließlich hatten wir eine Abmachung, und wir sind es nicht, die diese nicht eingehalten haben. Jetzt betrachten uns die beiden mit großen Augen. Nein, das geht nicht, bekommen wir zu hören. Wir lassen nicht locker. Weitere Diskussionsfetzen wirbeln durch die Luft. Bevor sie sich mit dem Bus verdrücken, erstatten sie uns immerhin den halben Fahrpreis.

Wir stehen an der Panamericana - der Berg ist jedoch weit weg.

Wir stehen an der Panamericana – der Berg ist jedoch weit weg.

Okay, aber trotzdem stehen wir jetzt im Nirgendwo. An der riesigen Panamericana, die sich durch das Vulkanland Ecuador schlängelt. Wir überqueren die mehrspurige Straße. Und stellen uns auf der anderen Seite an den Fahrbahnrand. Lkws, die schwarze Rußwolken hinter sich herziehen, und Autos rasen an uns vorbei. Viele Autos.

Wir müssen uns ein wenig gedulden, bis ein Bus aus Quito kommend und nach Latacunga fahrend am asphaltierten Horizont erscheint. Diesen halten wir an. Die Tür geht auf. Und wieder erzählen wir, dass wir zum Cotopaxi wollen. Wieder werden wir verstanden. Dieses Mal aber wirklich. Hier sind wir. Hallo Cotopaxi.

Aus zwei mach‘ einen Tag im Nationalpark

Der nächste Dämpfer lässt aber nicht lange auf sich warten. Alonso hat diesen für uns parat. Der Ecuadorianer, der Tagestouren im Nationalpark anbietet, lehnt an der Bretterwand einer Hütte. „Was habt ihr vor?“, fragt er uns. Wir erklären ihm, dass wir planen, zwei Tage im Park zu bleiben, um diesen genauer unter die Lupe zu nehmen. „Aber wo wollt ihr schlafen?“, stellt er direkt die nächste Frage. Wir nennen ihm die einzige für uns bezahlbare Unterkunft, die wir vorab recherchieren konnten. Diese habe derzeit geschlossen, behauptet er. Wir stutzen. Sagt er das nur, um uns eine Rundfahrt in seinem Geländewagen zu verkaufen?

Wir beratschlagen uns und sprechen anschließend wieder längere Zeit mit ihm. Es klingt glaubwürdig, deswegen entscheiden wir, uns doch nur einen Tag rund um den Cotopaxi aufzuhalten. Nun geht es ums Geld. Alonso möchte anfangs 70 US-Dollar für die mehrstündige Tour haben. Nach harten, zähen Verhandlungen einigen wir uns auf 50. Wir brausen los.

Zuerst zuckeln wir über den neu gemachten Teil der Straße. Doch bereits nach wenigen Minuten wird daraus eine Schotterpiste. Kleine Steine werden von den Reifen aufgewirbelt und prasseln gegen die Windschutzscheibe, die schon einen Riss hat. Alonso stört das nicht. Er ist es gewöhnt. Schließlich übt er seit mittlerweile 21 Jahren den Job aus, Touristen durch den meistbesuchten Nationalpark des Landes zu chauffieren.

Der Jeep schlängelt sich den Berg hinauf. An einem Parkplatz auf rund 4.800 Höhenmetern kommen wir zum Stehen. Alonso wartet, wir können nun zu Fuß weiter. Wind bläst uns heftig entgegen, wir bekommen Staub ins Gesicht. Es ist ein steiniger Weg nach oben.

Es geht zu Fuß weiter.

Es geht zu Fuß weiter.

Diesen Weg nach oben.

Diesen Weg nach oben.

Und diese Aussicht können wir genießen.

Und diese Aussicht können wir genießen.

Bis zum Gletscher und danach zurück zur Panamericana

Dann stehen wir am Refugio. Das Camp, in dem die Bergsteiger nächtigen, die die fast 5.900 Meter bis zum Gipfel zurücklegen. Wir möchten heute allerdings gar nicht so hoch hinaus. Denn unsere Mission „Gipfel“ (Huayna Potosí: Erst Qualen, dann Euphorie, danach Schmerzen) haben wir bereits in Bolivien erfolgreich abgeschlossen. Erst einmal reicht es uns, ein paar Erinnerungsfotos mit ecuadorianischen Soldaten zu machen, die eine Übung am Cotopaxi absolvieren müssen.

Foto mit Soldaten und einem Esel.

Foto mit Soldaten und einem Esel.

Wir mühen uns in höhere Sphären. Bis zum unteren Ende des Gletschers, der mit seiner meterdicken Schneedecke beeindruckend aussieht. Wir drehen uns um, und jetzt breitet sich die karge Steppe des Nationalparks vor uns aus. Auch das verschlägt uns fast die Sprache.

Meterdicken Schnee bekommen wir zu Gesicht.

Meterdicken Schnee bekommen wir zu Gesicht.

Ich schnuppere Höhenluft.

Ich schnuppere Höhenluft.

Der Nationalpark breitet sich vor uns aus.

Der Nationalpark breitet sich vor uns aus.

Zurück am Wagen von Alonso. Es geht wieder bergab. Ein Fuchs kreuzt unsere Route. Dies ist das Startsignal für Alonso, aufzuzählen, welche Tiere eigentlich in dieser Gegend umherstreifen. Neben den Füchsen sind es Wölfe, Hasen und Alpakas. Vielleicht auch noch mehr. Das haben wir uns jedoch nicht gemerkt.

Auf dem Rückweg ins Tal kreuzen sich unsere Wege.

Auf dem Rückweg ins Tal kreuzen sich unsere Wege.

Allerdings merken wir, dass der kräftige Wind weiter zugenommen hat, schon fast ein Sturm ist, als wir an der Laguna Limpiopungo den Jeep verlassen. Wellen peitschen über die Wasseroberfläche. Wir halten es nicht lange im Freien aus, sondern suchen schnellstmöglich wieder das schützende Innere des Geländewagens, in dem wir im Anschluss daran von Alonso zurück zur Panamericana gebracht werden, wo wir in einen Bus nach Latacunga hüpfen.

Sturm an der Laguna Limpiopungo.

Sturm an der Laguna Limpiopungo.

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