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Die entspannte Küste der besonderen Art

Die kolumbianische Pazifikküste in der Nähe der Stadt Buenaventura wird nicht von allzu vielen Touristen besucht. Ein Grund dafür ist, dass die Region als gefährlich gilt. Wir haben uns trotzdem dorthin gewagt – und hatten eine entspannte Zeit an Kolumbiens Küste der besonderen Art.

Buenaventura/Juanchaco/Ladrilleros/La Barra. Fahrt nicht nach Buenaventura. Die Überbleibsel der Drogenkartelle hätten sich dorthin verzogen. Die kolumbianische Pazifikküste? Peligroso. Gefährlich.

Das wurde uns immer wieder entgegnet, als wir anderen Personen, die wir in Kolumbien getroffen haben, von unserem Vorhaben berichtet haben, an den Pazifischen Ozean zu reisen. Mal waren es Kolumbianer, mal andere Touristen, die uns diese Warnung mit auf den Weg gaben. Vergeblich.

An einem regnerischen Tag sitzen wir in einem Bus von Cali nach Buenaventura.

Der Regen hat aufgehört, als wir durch die Vororte der vermeintlichen Drogenhauptstadt Kolumbiens tuckern. Wir schauen aus dem Fenster. Besonders schön ist es nicht, was wir in diesem Moment zu Gesicht bekommen. Ein Gewirr aus einfachsten Behausungen. Verdreckte Straßen. Die Armut der Bevölkerung ist selbst aus dieser Perspektive deutlich zu erkennen.

Abrupt stoppt der alte Bus im Terminal von Buenaventura. Wir steigen aus. Mittlerweile mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen. Lange wollen wir jedoch sowieso nicht bleiben. Buenaventura ist nur eine Durchgangsstation, um zu den Stränden weiter nördlich zu gelangen.

Zum Hafen, wo die Boote eben zu diesen Stränden ablegen, ist es vom Busbahnhof nicht sehr weit. Trotzdem bevorzugen wir es, ein Taxi zu nehmen, das uns wenig später am betriebsamen Hafendock absetzt. Sofort stürmen Leute auf uns zu. „Wo wollt ihr hin?“ „Ich mache euch einen guten Preis.“ Diese und ähnliche Sätze prasseln auf uns ein.

Wir entfernen uns erst einmal aus dem Trubel, wir brauchen einen klaren Kopf.

Den haben wir wieder, als wir an einem Ticketschalter landen. Der Verkäufer grinst uns an und fragt: „Wie kann ich helfen?“

Über die raue See in Richtung Entspannung

Es ist stürmisch auf dem Ozean. Das kleine Schnellboot rast über große Wellenkämme. Manchmal sieht es so aus, als ob uns einer dieser Wasserberge verschlucken könnte. Der Bootsmotor, der wohl seine Leistungsgrenze erreicht hat, heult auf. Der Kapitän rudert mit den Armen. Und wir Passagiere schreien, als der Boden des Bootes hart auf der unruhigen Wasseroberfläche aufschlägt.

Dann ist es ruhig. Wir kommen in Juanchaco an, dem südlichsten der drei Orte, zu denen auch noch Ladrilleros und La Barra gehören. Und nach Ladrilleros bringen uns umgehend zwei Einheimische mit ihren Mopeds.

Im Ort Juanchaco, nicht weit entfernt von Buenaventura.

Im Ort Juanchaco, nicht weit entfernt von Buenaventura.

Ein Friseursalon in Juanchaco.

Ein Friseursalon in Juanchaco.

Wie so oft - ein Hund folgt mir.

Wie so oft – ein Hund folgt mir.

Treibholz wird verbrannt.

Treibholz wird verbrannt.

Wir heizen an der Küste entlang, die steil zum Meer hin abfällt. Auf der anderen Seite befindet sich der Dschungel. Verworren und grün. Soldaten stehen am Straßenrand. Freundliche, entspannte Mienen. Der Fahrer grüßt jeden, den wir passieren. „Kennst du hier eigentlich alle?“, frage ich. „Ich denke schon. Es ist ein kleines Nest.“

Da hat er Recht. Ladrilleros ist keine Großstadt. Es ist noch nicht einmal eine Stadt. Sondern ein beschauliches Dorf, wo eine matschige Piste durchführt. Diese laufen wir ab, auf der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht.

Wir schauen uns ein paar Zimmer an. Der Standard ist schlecht. Hilft nichts. Wir entscheiden uns für einen Raum, der immerhin genügend Platz bietet. Es gibt keine weiteren Gäste. Denn einen Besuch an der Pazifikküste – zumindest an diesem Teil – haben die meisten Reisenden nicht auf dem Zettel.

Kinder in Ladrilleros.

Kinder in Ladrilleros.

Nachdem wir uns ein Hostelzimmer gesichert haben, steht jetzt die Nahrungsaufnahme auf dem Programm. Ein passendes Restaurant auszuwählen, fällt uns nicht schwer, denn die Auswahl ist überschaubar. Ceviche wird uns dort aufgetischt.

Die Sonne geht unter, als wir uns das aus Peru stammende Fischgericht, das heutzutage auch in den Küstenregionen Kolumbiens angeboten wird, schmecken lassen. Die Weite des Pazifiks färbt sich nun rot. Dann kommt die Dunkelheit. Wir sind entspannt.

Vor dem Restaurant, wo wir gegessen haben.

Vor dem Restaurant, wo wir gegessen haben.

Die Söhne der Besitzerin des Restaurants.

Die Söhne der Besitzerin des Restaurants.

Ein wundervoller Sonnenuntergang in Ladrilleros.

Ein wundervoller Sonnenuntergang in Ladrilleros.

Ein Strand wie ein Trümmerfeld

Die Wolken über dem Meer wirken bedrohlich. Das Wasser ist dunkel. Wind peitscht uns ins Gesicht, als wir am Strand La Barra entlanggehen, der wie ein Trümmerfeld aussieht. Treibgut liegt im grauen Sand. Große Holzstämme. Plastikmüll. Angeschwemmte Sandalen und Schuhe gibt es ebenfalls zuhauf. Einige schlichte Holzhütten stehen am Strand. Wir mieten uns eine dieser Hütten.

In La Barra ist nicht viel los. Einsamkeit herrscht hier. Ein paar Fischer kommen uns entgegen. Kinder sammeln Kokosnüsse und häufen sie an. Wir haben mittlerweile Hunger und versuchen, etwas Essbares aufzutreiben. Erfolg haben wir zuerst leider nicht. Wir sind zu spät. Die Mittagszeit ist vorbei. Keine Chance, wie wir von einigen Köchinnen erfahren.

Als wir schon nicht mehr damit rechnen, haben wir doch noch Glück. Eine freundliche Dame bereitet uns eine Mahlzeit zu. Wir lassen uns Fisch, Reis, Bohnen, gebratene Bananen und frischen Salat schmecken. Unsere Blicke sind dabei auf das unruhige Meer gerichtet. Bis wir einen Tukan in unserer Nähe entdecken. Ich freue mich diebisch, denn der Tukan, den ich noch nie in meinem Leben in freier Wildbahn beobachten konnte, ist seit meiner Kindheit mein Lieblingsvogel.

Der Flattermann hüpft auf einem Holzzaun hin und her. Das Gefieder ist zum größten Teil schwarz. Markant ist nicht nur der gelbe Fleck an der Brust, sondern insbesondere der gebogene, lange und zweifarbige Schnabel. Er fliegt davon.

Ein Tukan zeigt sich - zu meiner Freude.

Ein Tukan zeigt sich – zu meiner Freude.

Auch wir machen uns auf den Weg. Und stoppen erst wieder an der Dorfkneipe. Eine Box ist vor dem Eingangsbereich platziert. Die Musik scheint – wie so oft in Südamerika – auf volle Lautstärke gedreht zu sein. Wir bestellen zwei Flaschen Bier und nehmen diese Pullen mit zu unserer Hütte, wo wir den Tag ausklingen lassen.

Als die Dunkelheit hereinbricht, verstummt auch irgendwann die Musikbox, die wir aus der Ferne bis dahin noch deutlich vernommen haben. Jetzt ist es totenstill. Die Nacht ist endgültig da.

Rendezvous mit den Buckligen

Da ist auch monsunartiger Regen. Und zwar am kommenden Morgen. Als wir aus der Tür unserer Hütte treten, steht der davorliegende Weg bereits komplett unter Wasser. Erst einmal sind wir also „gefangen“. Ich setze mich mit dem roten Plastikstuhl auf die Terrasse. Der Regen lässt nicht nach. Erst nach rund zwei Stunden. Wir nutzen die Chance und machen uns zu Fuß auf den Rückweg nach Juanchaco.

Es schüttet wie aus Eimern.

Es schüttet wie aus Eimern.

Ich muss mich gedulden.

Ich muss mich gedulden.

Denn heute wollen wir endlich das unternehmen, weshalb wir überhaupt in diese abgelegene Region Kolumbiens gekommen sind: Wale beobachten. „Es ist eine gute Zeit dafür“, sagt der Besitzer des Bootes, der uns in die Bahía Málaga fährt. Jedes Jahr im Juli treffen die ersten Buckelwale ein. Circa vier Monate halten sich die Säuger hier auf.

Aber erst einmal: Fehlanzeige. Die Tiere zeigen sich nicht. Wir drehen Runden in der Bucht.

Schließlich tauchen doch noch zwei Buckelwale auf. Rund 15 Meter können die Tiere groß werden. Wie groß die beiden sind, die am Boot vorbeischwimmen, können wir nicht exakt bestimmen – sie zeigen nämlich ausschließlich einen Teil ihrer Körper, insbesondere ihre Rückenfinnen. Dies reicht allerdings aus, um zu erahnen, wie kolossal die Buckelwale sind.

Nach einigen Minuten verschwinden die beiden Wale. Auch wir machen uns aus dem Staub, düsen zurück nach Juanchaco. Wir legen jedoch nicht am Steg am Strand an, sondern biegen in einen Kanal ein, der sich hinter der ersten Häuserreihe befindet. Haufenweise Abfall treibt herum. Die „hässliche“ Seite der kolumbianischen Pazifikküste, die nicht zu übersehen ist. Denn sie gehört dazu.

Abfall schwimmt im Wasser, kein seltenes Bild.

Abfall schwimmt im Wasser, kein seltenes Bild.

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