Kolumbien, Reisegeschichten, Reisegeschichten Amerika
Kommentare 2

Kaffee und Mutantenpalmen

Die Zona Cafetera, wo der Großteil des kolumbianischen Kaffees angebaut wird, ist ein Höhepunkt unserer Reise durch Kolumbien. Denn dort besuchen wir nicht nur eine Kaffeeplantage und genießen das köstliche Heißgetränk, sondern befinden uns auch auf einmal in einem Meer aus riesengroßen Palmen. 

Salento/Valle de Cocora. Nach Salento sind wir eher zufällig gekommen. Eigentlich wollten wir nämlich in ein anderes Gebiet der Zona Cafetera reisen. Doch eine Chilenin, die wir auf unserer Tour durch Kolumbien kennen gelernt haben, hat uns die entspannte Stadt Salento und den in der Nähe liegenden Nationalpark Valle de Cocora wärmstens empfohlen.

Und nun sind wir hier.

Leckeren Kaffee schlürfen und mit Steinwürfen Explosionen hervorrufen

Wir starten in Salento. Zuerst geht es über eine Brücke, die über einen kleinen Bach führt. Dann sind wir mitten in der Natur. Hügel um Hügel befindet sich um uns herum. Wir laufen mittlerweile über eine Schotterpiste, die sich durch die kräftig-grüne Landschaft windet. Am Himmel ist eine Mischung aus Wolken und blauen Stellen zu erkennen. Es ist warm, sehr warm.

Salento befindet sich in der Zona Cafetera.

Salento befindet sich in der Zona Cafetera.

Der Hauptplatz von Salento.

Der Hauptplatz von Salento.

Wir verlassen das Städtchen über diese Brücke.

Wir verlassen das Städtchen über diese Brücke.

Drei Männer strengen sich bei dieser Hitze weniger an. Sie sitzen auf Pferden und reiten gemächlich an uns vorbei. Dabei grüßen sie uns freundlich und fragen, wie es uns hier gefalle? Wir antworten, dass es uns sehr gut gefällt. „Kein Wunder, es ist das Paradies“, ruft einer der Cowboys. Und verschwindet hinter einer Kurve.

Wir schlendern durch das Umland von Salento.

Wir schlendern durch das Umland von Salento.

Vor allem ist es hier grün.

Vor allem ist es hier grün.

Drei Reiter treffen wir auch.

Drei Reiter treffen wir auch.

Hinter dieser entdecken wir heute zum ersten Mal den Grund, warum wir uns zu Fuß aus Salento hinausbewegt haben: Kaffeebohnen, die in einem Hang wachsen. Die Plantage, die wir besuchen möchten, ist nun nicht mehr weit entfernt. Ein Schild weist daraufhin.

An diesem Hang wird Kaffee angebaut.

An diesem Hang wird Kaffee angebaut.

Schließlich betreten wir die Finca Don Elías. Wir werden in Empfang genommen. „Hallo, ich heiße Hubert Schneider“, stellt sich der junge Mann in weißem Hemd und mit Hut vor. Hubert Schneider? Wir trauen unseren Ohren nicht. Er erklärt uns, dass seine Großmutter aus der Nähe von Stuttgart sei. Deswegen der für einen Kolumbianer doch recht abenteuerliche Name.

Wir lassen es gut sein – und beginnen, mit Hubert die Kaffeefarm zu erkunden. Die kolumbianischen Cowboys, die eben an uns vorbeigeritten sind, nehmen ebenfalls an der Führung teil. Zudem noch ein Australier und ein Portugiese.

Und Hubert legt bereits mit seinen Erklärungen los. Sein Kaffeewissen sprudelt förmlich aus ihm heraus. Circa 4.000 Kaffeepflanzen gebe es im Familienunternehmen, das seit 20 Jahren bestehe. „Wir pflanzen die Kaffeesorten Arabica und Colombia an, die beide einen Koffeingehalt von rund 80 Prozent haben“, berichtet Hubert weiter. Erntezeit sei außerdem im April und Mai sowie im November und Dezember. Hubert ergänzt: „Dann sind acht Mitarbeiter von sechs Uhr am Morgen bis 18 Uhr beschäftigt. Sieben Tage die Woche.“ Harte Maloche, denke ich, als mir die Frage in den Sinn kommt, warum in den Hängen nicht nur Kaffee wächst, sondern unter anderem auch Bananen und Ananas? „Dies dient zum Schutz des Kaffees, da die Insekten und Vögel sich lieber über die süßen Früchte hermachen“, verrät Hubert. Zudem spenden sie für den Kaffee wichtigen Schatten.

Nachdem wir noch kurz eine Kaffeemühle betätigt haben, sitzen wir jetzt ebenfalls im angenehmen Schatten. An einem Tisch. Hier ist es etwas kühler. Warm wird uns trotzdem wieder schnell, denn wir trinken heißen Kaffee von der Finca Don Elías. Köstlich.

Doch es wird noch besser: Der Besitzer der Kaffeefarm höchstpersönlich lässt sich nämlich blicken. Ich lasse mich mit Don Elías fotografieren, meinem neuen Kaffeehelden.

Daniela lässt sich einen Kaffee schmecken.

Daniela lässt sich einen Kaffee schmecken.

Mit dem Besitzer der Kaffeeplantage, Don Elías.

Mit dem Besitzer der Kaffeeplantage, Don Elías.

Zu kleinen Helden werden Daniela und ich wenig später auch, als wir in der Nähe der Kaffeeplantage gegen den Australier und den Portugiesen eine Partie Tejo austragen. Bei diesem kolumbianischen Nationalsport wird eine eiserne diskusförmige Scheibe in eine Lehmwand geworfen. Das Ziel ist es, dreieckige Schwarzpulvertaschen, die sogenannten Mechas, zu treffen und explodieren zu lassen.

Wir fangen an. Es wird abwechselnd geworfen. Zuerst schmeißt Daniela den Stein, dann versucht sich der Australier, nun bin ich an der Reihe, zum Abschluss wirft der Portugiese. Niemand zielt erfolgreich in Runde eins. Nach und nach werden wir jedoch besser. Wir treffen zwei Mal eines der explosiven Plättchen, das jeweils mit einem lauten Knall in die Luft fliegt. Bei einem meiner Würfe bleibt die Scheibe in der Mitte des Ringes im Lehm stecken. Auch das gibt Punkte. Am Ende gewinnen wir mit 15:4. Triumphal.

Mit stolzgeschwellter Brust machen wir uns auf den Rückweg nach Salento, wo wir den Rest des Tages ganz ruhig ausklingen lassen. Das haben wir uns verdient.

Abendstimmung in Salento.

Abendstimmung in Salento.

Mit einem schönen Sonnenuntergang.

Mit einem schönen Sonnenuntergang.

In einem Meer aus riesengroßen Palmen

Der nächste Tag. Und auf einmal stehen wir in einem Meer aus Palmen. Wir starren nach oben. Gen Himmel. Die Palmen wollen kein Ende nehmen. Bis zu 60 Meter sind sie hoch. „Mutantenpalmen“, stammle ich erstaunt vor mich hin. Mein Mund steht offen, als mein Blick über Hunderte dieser gigantischen Wachspalmen schweift, die im hügligen Nationalpark Valle de Cocora in der Nähe von Salento aus dem grünen Boden sprießen.

Mit diesem Jeep geht es ins Valle de Cocora, das rund 30 Minuten von Salento entfernt liegt.

Mit diesem Jeep geht es ins Valle de Cocora, das rund 30 Minuten von Salento entfernt liegt.

Bis zu 60 Meter hohe Palmen bestimmen in diesem Nationalpark das Bild.

Bis zu 60 Meter hohe Palmen bestimmen in diesem Nationalpark das Bild.

Kühe grasen zwischen der wohl höchsten Palmenart der Welt. Muh. Almambiente. Es sieht ein bisschen wie im Allgäu aus. Wenn halt nur diese monströsen Palmen nicht wären. Ich spaziere weiter, schaue dabei wieder nach oben und trete in einen Kuhfladen.

Mist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich schnappe mir einen Stock und mache mich an die Arbeit. Kratz, kratz. Es dauert, bis ich meinen Schuh fast vollständig vom Rinderkot befreit habe. Ein paar Minuten atme ich nicht durch die Nase.

Zu Beginn unserer Wanderung durch das Valle de Cocora war die Luft noch rein. Wir laufen in das Tal, das sich vor uns ausbreitet. Es geht vorbei an Bäumen und einem Fluss. Schon jetzt sind wir auf der Suche nach den Wachspalmen, sehen allerdings nur auf den ersten Metern einige Vereinzelte.

Jetzt erblicken wir einen Wegweiser. Dieser zeigt den Berg hinauf. Wir folgen diesem Hinweis. Viele Minuten später erreichen wir die Finca la Montaña, die sich auf fast 3.000 Höhenmetern befindet. „Sind hier irgendwo die berühmten Palmen?“, fragt Daniela eine Frau, die neben dem Haus einen Besen schwingt. „Nein“, so ihre knappe Antwort. Was an diesem Ort jedoch ist, ist ein aufgeregter Hund, der uns anfletscht.

Wir verdrücken uns lieber. Und schlendern den Berg auf der anderen Seite hinunter. Erst vor einem weiteren Wegweiser stoppen wir. Reserva Natural Acaime steht darauf. Wir versuchen unser Glück. Im Reservat angekommen gönnen wir uns die Spezialität des Hauses: heiße Schokolade mit Käse. Es schmeckt. Aber irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt. Denn der Käse ist nicht im Getränk geschmolzen, sondern wird als Ganzes separat serviert. Wir lassen es uns trotzdem schmecken.

Genau wie die zahlreichen Kolibris, die umherschwirren und immer wieder bereitgestelltes Wasser zu sich nehmen. Ein Nasenbär, der aus dem Wald aufgetaucht ist, trinkt hingegen eine andere, für uns nicht definierbare Flüssigkeit aus einer Schale. Das ist nichts für uns, wir ziehen weiter.

Einer von vielen Kolibirs, die wir sehen.

Einer von vielen Kolibirs, die wir sehen.

Und dieser Nasenbär lässt sich auch kurz blicken.

Und dieser Nasenbär lässt sich auch kurz blicken.

Und nach rund vier Stunden erreichen wir dann endlich die riesengroßen Palmen, die uns begeistern, wie Ihr ja bereits gelesen habt. Wenn da nur nicht diese blöden Kuhfladen gewesen wären…

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.