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Kein Stress – wir sind in Palomino

Das kleine Dorf an der Küste von La Guajira ist zwar kein unbekanntes Reiseziel in Kolumbien, aber immer noch so geheim, dass bei unserem Aufenthalt in Palomino ein besonderes Gefühl aufkommt – Entspannung.  

Palomino. An der Hauptstraße mit seinem Staub aufwirbelnden LKW-Verkehr und den Kneipen, aus denen ohrenbetäubend-laute Musik dröhnt, in die Schotterpiste einbiegen und diesen Weg eine halbe Stunde folgen, bis die Füße grobkörnigen Sand berühren und die Nase den salzigen Geruch des Meeres vernimmt. Dann ist der Strand von Palomino erreicht. Der Ort, an dem Stress ein Fremdwort ist.

Als wir an der Hauptstraße von Palomino ankommen, erstrahlt ein ganz besonderes Licht.

Als wir an der Hauptstraße von Palomino ankommen, erstrahlt ein ganz besonderes Licht.

Es sieht ein wenig aus, wie auf einem anderen Planeten.

Es sieht ein wenig aus, wie auf einem anderen Planeten.

Genau diesen Weg gehen wir. Und genau das verspüren wir. Hier gibt es keine Hektik. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Palomino wirkt auf uns, mit seiner Entspanntheit. Wir lehnen uns zurück.

Auf dem Weg Richtung Strand.

Auf dem Weg Richtung Strand.

Wir sind da.

Wir sind da.

Das entspannte Leben am Strand von Palomino

Aber erst, nachdem wir eine Unterkunft für uns gefunden haben. Die Hostels direkt am Strand sind uns zu teuer. Wir entdecken eine kleine Anlage in der Nähe des Meeres mit vier Hütten. Als wir das Grundstück betreten, werden wir schon von der jungen Eigentümerin mit einem Strahlen im Gesicht empfangen. Die Hütte gefällt uns, eine Hängematte gibt es auch, der Preis passt, ein Papagei hockt auf einem Ast im Baum und begrüßt uns mit einem freundlichen Hola. Hier bleiben wir.

Unser gesprächiger Nachbar.

Unser gesprächiger Nachbar.

Wenig später befinden wir uns aber schon wieder am palmengesäumten Strand, der auf den zweiten Blick „ursprünglich“ erscheint. Holzstücke liegen im Sand. Mal kleine, mal größere. Von Palmen gefallene Kokosnüsse ebenfalls. Dagegen haben wir gar nichts, viel besser als ein freigeräumter Resortstrand.

Wir sind wieder am Strand.

Wir sind wieder am Strand.

"Ursprünglich" sieht dieser aus.

„Ursprünglich“ sieht dieser aus.

Wir spazieren am Strand entlang, bis wir an das Ende einer Bucht gelangen. Endstation fürs Erste. Hier geht es nicht weiter. Wir legen uns eine Zeit lang in die Sonne und hören dem Rauschen des Meeres zu. Bis es mir zu heiß wird. Abkühlung gibt es im Ozean, in den ich mich nun begebe. Allzu weit allerdings nicht, denn an diesem Strand (wie leider an vielen an der Karibikküste Kolumbiens) herrscht eine starke Strömung. Warnschilder weisen darauf hin.

Bei unserem Spaziergang am Strand entdecken wir auch einen Fluss.

Bei unserem Spaziergang am Strand entdecken wir auch einen Fluss.

Es herrscht eine starke Strömung, deswegen gehe ich nicht allzu weit ins Meer.

Es herrscht eine starke Strömung, deswegen gehe ich nicht allzu weit ins Meer.

Trotzdem werden diese nicht von allen beachtet. Wir hören nämlich Schreie, als wir an den belebten Teil des Strandes zurückkommen. Die Hektik ist groß. Jemand schafft es nicht mehr, das Ufer zu erreichen. Er wird ein Stück weit ins offene Meer getrieben. Andere Strandbesucher eilen herbei. Einer greift nach einem Rettungsring, der an einem Pfahl befestigt ist. Aber dieser wird wenige Augenblicke später schon nicht mehr benötigt, da zwei andere Schwimmer den auf falschen Kurs geratenen Mann sicher wieder an Land bugsieren.

Die Aufregung ist schnell verflogen. Eine Gruppe junger Menschen setzt sich zusammen, um Musik zu machen. Künstler werkeln mit Zange, Drähten und weiteren Utensilien an Ringen, Armbändern und Ketten, die sie hier direkt zum Kauf anbieten. Der Rest bräunt sich, quatscht, lässt die Seele baumeln. Das gewohnte Leben an Palominos Strand, von dem die Berge der Sierra Nevada de Santa Marta zu sehen sind, geht also weiter.

Tubing – Langsam, aber schmerzhaft

Der nächste Morgen bricht an. Der Himmel ist weiß und grell. Als ich mich in die Hängematte vor unserer kleinen, aber feinen Hütte lege, nimmt er jedoch langsam die Farbe Blau an. Ein guter Tag, um Tubing auszuprobieren, denken wir uns spontan. Das ist ein Trend in Palomino, bei dem sich (hauptsächlich) Touristen in einem aufgepumpten Reifenschlauch einen in der Nähe des Dorfes gelegenen Fluss hinuntertreiben lassen.

So startet der Tag richtig.

So startet der Tag richtig.

Wir laufen hoch zur Straße und quatschen den ersten Typen an, der diese Fortbewegungsmittel vor seinem Geschäft ausgebreitet hat. Mit dem Preis, den der Mann im Unterhemd verlangt, sind wir nicht ganz glücklich. Wir feilschen. Wie eigentlich immer in Südamerika. Und drücken den Preis etwas nach unten. Einigung ist erzielt. Er pfeift einen Freund, der auf einem Roller sitzt, heran – und schon werden wir mit knatternden Motoren Richtung Río Palomino gebracht.

Die beiden können uns aber nicht unmittelbar an den Fluss heranfahren. Wir müssen noch einen fünfzehnminütigen Fußweg zurücklegen, bis wir die Reifenschläuche ins Wasser werfen können.

Gemächlich treiben wir den ersten Flussabschnitt hinunter. Wir schauen nach links, nach rechts, auf die grüne Dschungelvegetation, die am Rand des Flusses beginnt. Auf einer Sandbank entdecken wir Schweine, die nach Fressbarem suchen. Für uns Vorbeitreibende interessieren sie sich nicht.

Los geht es mit dem Tubing.

Los geht es mit dem Tubing.

Dabei können wir die umliegende Natur betrachten.

Dabei können wir die umliegende Natur betrachten.

Und ein paar tierische Flussbewohner ebenfalls.

Und ein paar tierische Flussbewohner ebenfalls.

Nach einigen Minuten ruhigen Dahindümpelns erreichen wir die erste kleinere Stromschnelle. Das Wasser wird flacher. Ein paar Steine gucken aus der nassen Oberfläche. Der Schlauch beschleunigt leicht – und ist nicht wirklich zu steuern. Ich versuche auszuweichen, hebe meinen Hintern nach oben. Dann dreht sich der Reifen allerdings. Und mich erwischt es. Mit meinem Beckenknochen knalle ich gegen einen Felsbrocken. Es schmerzt. „Beim Bergsteigen, Canyoning und Paragliding habe ich mir nichts getan, aber beim harmlosen Tubing erwischt es mich“, rufe ich Daniela zu. Wir müssen lachen.

Dies geht noch einige Male so. Die Fließgeschwindigkeit des Flusses wird schneller, die Tiefe des Wassers geringer, Hintern hoch, Drehungen mit dem nicht steuerbaren Reifenschlauch und hoffen, dass wir bei diesem „Höllenritt“ keine weiteren Schrammen davontragen. Dies funktioniert.

Nach ungefähr drei Stunden ist das Meer, in das der Río Palomino mündet, wieder in Sichtweite. Jetzt müssen wir die Reifen nur noch einige hundert Meter zurück zu unserer Unterkunft tragen – dann ist unsere Tubing-Erfahrung endgültig beendet.

Das Tubing ist beendet.

Das Tubing ist beendet.

Den Blick auf diese Herde nehmen wir aber noch mit.

Den Blick auf diese Herde nehmen wir aber noch mit.

Wir sehen uns bestimmt wieder, Palomino

Genau wie einen Tag später unser Aufenthalt in Palomino. Der Ort mit seiner beruhigenden Atmosphäre hat sich jedoch in nur drei Tagen einen Platz auf Lebzeiten in unserem Gedächtnis gesichert.

Und irgendwann machen wir das bestimmt noch einmal: kein Stress – wir sind in Palomino.

Auf Wiedersehen, Strand von Palomino.

Auf Wiedersehen, Strand von Palomino.

4 Kommentare

  1. Beate sagt

    Hallo ihr zwei,

    hier werden wir kurz nach Weihnachten mit unseren Kindern einige Tage weilen. Bogota, Richtung Cartagena, Kaffeegebiet sind weitere Stationen auf unserer Reise. Vom Tubing haben wir auf einer anderen Internetseite gelesen und sind nun sehr neugierig.

    Liebe Grüße aus dem fernen Leipzig

    Beate und Familie

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