Kolumbien, Reisegeschichten, Reisegeschichten Amerika
Kommentare 2

Medellín: Früher Gangsterland, heute Vorzeigestadt

Medellín hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine erstaunliche Entwicklung genommen: In den frühen 1990er Jahren galt sie noch als gefährlichste Stadt Kolumbiens, in der das Medellín-Kartell rund um den Drogenbaron Pablo Escobar wütete. Mittlerweile ist die Metropole – unter anderem aufgrund ihrer modernen Infrastruktur – Vorbild im ganzen Land. Und: Das Umland mit dem Monolithen La Piedra del Peñol kann sich ebenfalls sehen lassen.

Medellín/Guatapé. Früher Kokain, heute Fortschritt. Es hat sich viel getan in Medellín. Insbesondere in den 1980er Jahren litt das öffentliche Leben im wichtigen Industriezentrum Kolumbiens unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, zu dem unter anderem der bekannte Drogenbaron Pablo Escobar gehörte und die eine führende Rolle im weltweiten Handel der aus Kokablättern gewonnenen Droge einnahm.

Pablo Escobar wurde 1993 von einer US-amerikanisch-kolumbianischen Elite-Einheit erschossen. Das Medellín-Kartell brach auseinander. Die Mordrate in Medellín sank. Die Bevölkerung atmete auf. Und die Stadt begann, sich neu zu erfinden. Beispielsweise werteten Bauprojekte ärmere Stadtteile auf. Medellín bekam unter anderem vom Urban Land Institute die Auszeichnung „innovativste Stadt des Jahres“ verliehen.

In der im Aufbruch befindlichen Stadt – und deren Umland – haben wir uns einige Tage aufgehalten.

Mit der Metro fahren, in der Seilbahn gleiten, neben dicken Skulpturen posieren

Wir kaufen ein Ticket für die Metro de Medellín. Dies ist das erste Mal, dass wir in Kolumbien mit einer Metro fahren. Kein Wunder, denn ein solches Verkehrsmittel gibt es in diesem Land eben nur in Medellín. Auf über 40 Kilometer Schienennetz gleiten die Bahnen durch die rund 2,7-Millionen-Einwohner fassende Metropole im Nordwesten Kolumbiens, verbinden den Westen mit dem Osten der Stadt und umgekehrt.

Die Metrostation im wohlhabenden Stadtteil El Poblado, in dem sich das Hostel befindet, wo wir nächtigen, erfüllt europäische Standards, so unsere Einschätzung. Okay, eigentlich haben wir davon überhaupt keine Ahnung. Aber es ist sauber. Die Bahnen fahren nach Zeitplan, in unseren Fällen sogar pünktlich. Dies ist selbst im inoffiziellen Organisationsweltmeisterland Deutschland (oder ist es dies auch ganz offiziell?) nicht immer selbstverständlich, wie wir aus eigener Erfahrung wissen.

Eine Metrostation in Medellín.

Eine Metrostation in Medellín.

Nur in Medellín gibt es ein Metrosystem in Kolumbien.

Nur in Medellín gibt es ein Metrosystem in Kolumbien.

Die Metro verbindet große Teile der Stadt miteinander.

Die Metro verbindet große Teile der Stadt miteinander.

Jetzt sitzen wir im Inneren des Gefährts. Es ist eng. Denn nicht nur wir sind eingestiegen, sondern eine Horde von Bewohner Medellíns, die zur Arbeit oder sonst wohin müssen, ebenfalls. Ungefähr 500.000 Fahrgäste benutzen die Hochbahn täglich. Die Durchsagen, die unter anderem die einzelnen Stationen ankündigen, ertönen in Spanisch und in Englisch. „Next stop Acevedo“ hören wir. Wir steigen aus.

Warum? Weil an dieser Station die Seilbahn Metrocable startet. Eine kurze Warteschlange – und dann gleiten wir nicht mehr, sondern schweben. Es geht langsam den Hang hinauf. Tausende Dächer der Stadt liegen weit unter uns.

Die Gondeln schweben einen Hügel hinauf.

Die Gondeln schweben einen Hügel hinauf.

Bis zur Haltestelle Santo Domingo fahren wir. Dort verlassen wir die Gondel. Wir ziehen durch die engen Gassen des angrenzenden Viertels. Aber eigentlich sind wir hier, um den Ausblick auf fast ganz Medellín zu erhaschen.

Der Blick auf Medellín.

Der Blick auf Medellín.

Wieder unten angekommen zieht es uns in den Botanischen Garten. Doch bereits nach wenigen Minuten im grünen Park vergeht uns der Spaß. Unser Fazit: nichts Besonderes. Nicht besonders, aber typisch für Südamerika ist die Straße, durch die wir nun auf dem Weg in die Innenstadt schlendern. Ein Geschäft für Autoersatzteile ist neben dem anderen. Wie so oft gibt es geschäftliche Vielfalt in den Straßen nicht.

Der Botanische Garten überzeugt uns nicht.

Der Botanische Garten überzeugt uns nicht.

Auf dem Weg in die Innenstadt entdecken wir diese interessant aussehende Kirche.

Auf dem Weg in die Innenstadt entdecken wir diese interessant aussehende Kirche.

Aber es ist große Kunst im öffentlichen Leben von Medellín zu sehen. Und zwar auf dem Platz, wo Skulpturen des berühmten kolumbianischen Künstlers Fernando Botero auf Schaulustige warten. Dicke Skulpturen. Frauen, Männer, Hunde, Pferde, Mann auf Pferd und so weiter. Überzeichnete Proportionen sind das Markenzeichen seiner Werke. Wir posieren daneben, bevor wir im Getümmel des Zentrums verschwinden.

Boteros Kunst mitten in Medellín.

Boteros Kunst mitten in Medellín.

Auf diesem Platz befinden sich zahlreiche dieser Skulpturen.

Auf diesem Platz befinden sich zahlreiche dieser Skulpturen.

Daniela vor einem Kunstwerk von Botero.

Daniela vor einem Kunstwerk von Botero.

Und nun ich.

Und nun ich.

 

Zurück in "unserem" Viertel.

Zurück in „unserem“ Viertel.

Ein 200 Meter hoher Stein und eine kanadahafte Seenlandschaft

Wir fahren mit einem Bus in das Umland von Medellín – und auf einmal ragt ein riesengroßer Felsen aus dem Boden. La Piedra del Peñol wird dieser 200 Meter hohe Granitmonolith genannt, der aus einer vulkanischen Eruption entstanden sein soll und in die grüne Landschaft nicht recht passen will. Aber der Felsen ist nun einmal hier. Und wir wollen jetzt dort hoch.

Der Monolith La Piedra del Peñol.

Der Monolith La Piedra del Peñol.

Rund 700 Stufen müssen wir erklimmen, um die Spitze von La Piedra del Peñol zu erreichen. Dafür gibt es nur ein Wort: anstrengend. Auf dem Weg nach oben machen wir immer wieder mal eine kurze Pause. Und verschnaufen.

Dies tun wir auch, als wir an der Aussichtsplattform angekommen sind. Doch viel Zeit bleibt uns dafür nicht. Der Grund: Gefühlt tausende Eintagsfliegen sind unterwegs – und schwirren um unsere Köpfe herum. Die lästigen Fluginsekten befinden sich wenig später in unseren Mündern, Ohren, Nasen. Wir versuchen zu flüchten. Das Problem ist, dass die Plattform klein ist. Keine Fluchtmöglichkeiten. Außer den Rückzug nach unten anzutreten.

Das kommt aber noch nicht infrage. Denn bis jetzt haben wir noch gar nicht die Aussicht genossen. Und die hat es – trotz der wild gewordenen Fliegen und des heute nicht optimalen Wetters – in sich. Wir blicken auf eine Seenlandschaft, die nicht so aussieht, als würde sie zu Kolumbien gehören. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir diese Gegend wahrscheinlich einem Land wie Kanada zuordnen. Wir finden es schön.

Diese Seenlandschaft begeistert uns.

Diese Seenlandschaft begeistert uns.

Die Aussicht vom Felsen.

Die Aussicht vom Felsen.

Knapp eine Stunde später gefällt uns das, was wir zu Gesicht bekommen, ebenfalls. Wir stehen in Guatapé. Neben einer weiß-roten Kirche. Bunt sind aber vor allem die Häuser in der kleinen Stadt. In Grün, Gelb, Türkis sind diese gestrichen. Zeichnungen von Farmern und Eseln sind ebenfalls an den Wänden zu erkennen.

Die Kirche in Guatapé.

Die Kirche in Guatapé.

Viele Häuser weisen Verzierungen auf.

Viele Häuser weisen Verzierungen auf.

Und sind bunt angepinselt.

Und sind bunt angepinselt.

Genau wie diese Stufen.

Genau wie diese Stufen.

Wir streifen rund zwei Stunden durch das Städtchen – und steigen dann wieder in einen Bus, der uns nach Medellín bringt. Es ist bereits dunkel, als wir in die Grenzen der früheren Stadt von Drogenboss Pablo Escobar düsen. Angst haben wir aber nicht. Die bösen Tage scheinen gezählt zu sein. Medellín steuert längst ruhigeren Zeiten entgegen.

2 Kommentare

  1. renecorina sagt

    Klingt spannend und anders. Habe ein Buch von Daniela gelesen, in dem in dieser Stadt nicht immer die Sonne schien…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.