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Tatacoa: Eine Wüste im Herzen Kolumbiens

Zurück in Kolumbien. In der Mitte des Landes. Und zwar in der Tatacoa-Wüste, wo wir von einem Unwetter aus unseren Träumen gerissen werden, löchrige Felsformationen suchen und ein Sonnenuntergang uns wieder verabschiedet.

Tatacoa. Ich reiße die Augen auf. Donnergrollen durchzieht die bis dahin so stille Nacht in der Tatacoa-Wüste. Ich horche, noch etwas schläfrig. Jetzt setzt Regen ein – und nimmt rasant an Stärke zu. Wenig später kommt der Sturm.

Unser Zelt, in dem wir zwei Nächte inmitten der Wüste verbringen, wird einem Belastungstest unterzogen. Zwar wackelt und rappelt es bedenklich. Aber es hält, es bleibt stehen, es wird nicht vom erbarmungslosen Wind weggefegt.

Zuerst wälze ich mich auf der steinharten Isomatte noch etwas hin und her, dann gewöhne ich mich an den Rhythmus des wildgewordenen Wetters und falle schließlich in einen Halbschlaf.

Müde wandern wir durch die Wüste

Ich gähne, als ich am nächsten Morgen, der uns mit einem bewölkten Himmel empfängt, aus dem Zelt trete. Trocken ist es. Die Wolken scheinen sich vorerst leergeregnet zu haben. Gut für uns, denn wir haben uns vorgenommen, an diesem Tag durch die rund 330 Quadratkilometer große Wüste zu wandern. Zumindest möchten wir einen Teil davon erkunden.

Wir folgen der staubigen Piste, die an unserem Campingplatz vorbeiführt und weiter, tiefer in die Wüste vordringt. Am Wegrand frühstücken wir in einem kleinen, provisorisch daherkommenden Restaurant, und decken uns mit Wasser ein. Denn obwohl der Wolkenteppich immer dichter und dunkler wird, klettert die Temperaturanzeige bereits in den Morgenstunden in abenteuerliche Höhen.

Wir wandern durch die Wüste.

Wir wandern durch die Wüste.

Schwitzend geht es weiter durch die karge Landschaft mit ihren braunen und roten Farbtönen. Unser Ziel? Eine Felsformation namens Los Hoyos. Die Löcher. Steine mit Löchern also. Oder so ähnlich. Davon hat uns der Campingplatz-Besitzer erzählt. Und der muss es wissen. Schließlich hat er keine Löcher, sondern Augen im Kopf, mit denen er Los Hoyos schon gesehen hat.

Doch bevor wir dort ankommen, stellen wir uns unter dem Vordach einer Hütte unter. Regen hat eingesetzt. Dieser hatte also nur eine kurze Pause eingelegt. Die wir jetzt auch machen. Schließlich möchten wir unsere Wanderung nicht klitschnass fortsetzen.

Ein bisschen nass ist Daniela doch geworden.

Ein bisschen nass ist Daniela doch geworden.

Wir warten. Und warten. 15 Minuten. Eine halbe Stunde. 45 Minuten. Eine Stunde. Als wir schon nicht mehr damit rechnen, dass der Regen an diesem Tag nachlässt, dreht oben jemand den Wasserhahn zu. Anfangs etwas zaghaft (es tröpfelt nämlich noch immer, als wir wieder losziehen). Dann aber mit mehr Kraft. Der Regen hört auf.

Die löchrigen Felsenformationen ziehen uns nicht in ihren Bann

Für einen Moment stoppen wir an einem kleinen Schwimmbad, das sich am Eingang der Schlucht befindet, in der die Los Hoyos zu finden sein sollen. Männer planschen im Wasser – und schauen uns verdutzt an. Haben sie nicht mit Gringos gerechnet? Wir wissen es nicht, halten uns aber auch nicht lange dort auf.

Wir wagen uns weiter in den Canyon hinein. Ein paar Mal biegen wir planlos ab. Felsen mit Spalten, Furchen sehen wir nun. Sind das die Los Hoyos? Wir sind uns nicht sicher. Denn: Sind die Los Hoyos so unspektakulär?

Sind das die Los Hoyos?

Sind das die Los Hoyos?

Eine Antwort haben wir darauf immer noch nicht, als wir bereits einem – trotz des starken Regens der letzten Stunden – ausgetrockneten Flusslauf folgen, weil uns dies aus irgendeinem Grund sinnvoll erscheint. Wir laufen und laufen. Und bekommen immer das Gleiche zu Gesicht: graue Erde zu allen Seiten. Nicht sonderlich ansehnlich. Immerhin: Die Sonne zeigt sich mittlerweile. Das verbessert unsere Stimmung umgehend.

Genau wie der Ausblick, den wir genießen, als wir am anderen Ende der Schlucht auftauchen: Denn eine die Wüste begrenzende Bergkette zeigt sich von ihrer besten Seite. Weiße Wolken schweben davor. Ein Wüstenstrauch weht umher. Ein Bild, wie in einem Lucky-Luke-Comic. Nur eben ohne den Lonesome Cowboy.

Wüstenpanaorma von der besten Seite.

Wüstenpanaorma von der besten Seite.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft gehe ich in Gedanken weitere Charaktere der Comicreihe durch: Rantanplan, der treu-doofe Begleiter auf vier Pfoten, die Daltons, Verbrecherbrüderbande im Orgelpfeifenformat. Und dann gab es da noch den kleinen, geschäftstüchtigen Sarghersteller, der bereits die Größe bzw. Länge der „Sarganwärter“ im Voraus vermessen hat.

Mein Tagtraum im Wilden Westen endet, als wir unseren Campingplatz erreichen.

Ein Sonnenuntergang verabschiedet uns – und dann auch der Regen

Am Nachmittag unternehmen wir einen weiteren Ausflug. In der Nähe unseres Zeltes zieht uns El Cuzco an. Wieder sind es Felsen. Diesmal allerdings in Ocker gehalten. Und beeindruckender. Von oben betrachtet, erscheinen die vielen Hügel wie ein Ort von einem anderen Planeten.

In dem steinernen Labyrinth voller Kakteen und karger Sträucher drehen wir eine Runde. Und verlaufen uns natürlich. So kommt es uns auf jeden Fall vor. Wir lassen uns Zeit, den „Ausweg“ zu finden. In der Zwischenzeit steige ich auf einige der Erhöhungen. Warum? Das weiß ich nicht genau. Ein bisschen Kraxeln lockt mich immer an, denke ich.

Wir begeben uns in die kleine Schlucht.

Wir begeben uns in die kleine Schlucht.

Pünktlich zum Sonnenuntergang stehen wir wieder oberhalb der Schlucht. In der ersten Reihe. Und genießen das Spiel der Farben, bevor wir durch die dunkle Wüste zurück zu unserem Zelt stapfen.

Erneut haben wir einen Ausblick von oben.

Erneut haben wir einen Ausblick von oben.

Die Sonne geht über der Tatacoa-Wüste unter.

Die Sonne geht über der Tatacoa-Wüste unter.

Eine weitere regenreiche Nacht wartet auf uns. Wie sich kurze Zeit später herausstellt.

2 Kommentare

  1. Dennis sagt

    Hola Ihr Lieben,
    …netter Artikel, lieber Chrizzi und abermals traumhafte Fotos, liebe Daniela :-)
    Auch wenn wir uns endlich mal wieder gesehen haben (Chrizzi) finde ich es spannend, eure Erfahrungen & Stories ‚retroperspektivisch‘ aus Südamerika näher gebracht zu bekommen.

    Weiter so!

    LG,
    Dennis

    • Von einer Reise

      Dennis, vielen Dank. Das freut uns. Und nach unseren Südamerika-Beiträgen gibt es dann Geschichten und Fotos von unseren weiteren Reisen aus anderen Teilen der Welt. Es bleibt spannend ;-)

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