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Über karibische Strände, präkolumbianische Kultur und leckeres Schokoladenbrot

Im Parque Nacional Natural Tayrona vermischen sich Karibikstrände mit Dschungelvegetation. Der wohl bekannteste Nationalpark Kolumbiens lädt aber nicht nur zum Faulenzen in der Sonne ein. Parkbesucher können auch die archäologischen Ruinen von Pueblito besichtigen – vorausgesetzt sie nehmen vorher eine Wanderung in den Bergen des Nationalparks in Angriff. Aus eigener Erfahrung wissen wir: Diese ist schweißtreibend. Als Belohnung wartet aber leckeres Schokoladenbrot.   

Parque Nacional Natural Tayrona. Es ist Mittag. Die Sonne steht hoch oben am blauen Himmel. Der Schweiß läuft in Strömen. Unsere Klamotten kleben an unseren Körpern. Und das, obwohl wir erst vor wenigen Minuten von einem Colectivo im Tayrona-Nationalpark an der kolumbianischen Karibikküste abgesetzt wurden und seitdem zu Fuß auf dem Weg zum Strand Arrecifes unterwegs sind, wo wir uns eine Unterkunft für die nächsten drei Tage suchen möchten. Ich stolpere über einen Stein. Der Durchblick fehlt. Alles kommt mir verschwommen vor. Ich wische mit meiner Handfläche durch mein klitschnasses Gesicht. Schon besser.

Zuerst geht es über einen Holzsteg. Dann wird der Pfad zu einer Mischung aus hartem Sand und Staub. Hoch und hinunter, wieder hoch und nochmals nach unten. Die Küste und die karibische See sind immer mal wieder durch die sperrigen Büsche am Wegrand zu sehen. Flüchtige Blicke auf das, wofür wir von Palomino aus in den nicht weit entfernten und bekanntesten Nationalpark des Landes gereist sind.

Wir machen eine Pause. Und setzen unsere großen Rucksäcke ab, die uns in den letzten Minuten wie Betonklötze vorgekommen sind. Als ich durchpuste, blicke ich auf unsere schweren Habseligkeiten und verfluche mich dafür, dass wir nicht nur leichtes Gepäck in den Nationalpark mitgenommen haben. Nicht mehr zu ändern. Wir brechen wieder auf.

Nach ungefähr eineinhalb Stunden gerät der erste Campingplatz des Strandes Arrecifes in unser Sichtfeld. Zahlreiche Zelte sind dort aufgebaut. Doch dies interessiert uns erst einmal nicht. Wir schleppen uns mit letzter Kraft zur Bar, die sich auf dem Gelände befindet. Früchte sind auf dem Tresen in Schalen ausgebreitet. Wir bestellen zwei frischgepresste Fruchtsäfte, die wir uns innerhalb kurzer Zeit schmecken lassen. Aaaah. Gut. Jetzt sieht die Welt schon wieder anders aus.

Und wir sind nun bereit für den Tayrona-Nationalpark.

Eine Bucht ist schöner als die andere

Nachdem wir uns am Strand Arrecifes, dem ersten von vier in diesem Bereich des Nationalparks, einen Schlafplatz gesichert haben, machen wir uns an diesem mittlerweile bewölkten Nachmittag auf zu einer Erkundungstour.

Der Strand, auf dem große rundliche Felsen verteilt sind, ist weit und breit. Eine Palmenreihe bildet eine Barriere zu der dahinter liegenden Wildnis. Kein Mensch ist zu sehen. Was wir allerdings zu Gesicht bekommen, ist ein großes Warnschild, auf dem steht, dass an diesem Strand bereits über 200 Touristen wegen der starken Strömung ertrunken sind. Beunruhigend. Schwimmen ist hier also nicht angesagt.

Große Steine am Strand Arrecifes.

Große Steine am Strand Arrecifes.

Ein anderer Blick auf diese Felsen.

Ein anderer Blick auf diese Felsen.

Anders sieht die Sache allerdings am nächsten Strand, La Aranilla, aus, zu dem wir nach rund 15 Minuten gelangen. In dieser Bucht liegen ebenfalls gewaltige Steinbrocken herum – so, als ob ein Riese damit wahllos umhergeworfen hätte. Menschen sind im Wasser, baden, tollen herum.

Die nächste Bucht, hier erstreckt sich der Strand La Aranilla.

Die nächste Bucht, hier erstreckt sich der Strand La Aranilla.

Wolken sind aufgezogen.

Wolken sind aufgezogen.

Es gibt ein kleines Restaurant in der Nähe des Strandes. Fußball läuft im TV. Das Nationalteam Kolumbiens tritt gegen das runde Leder. Und somit auch der kolumbianischen Volksheld James Rodríguez, dessen Trikot mit der Rückennummer zehn wir auch im Tayrona-Nationalpark immer wieder mal sichten. Wir werfen einen Blick auf das Geschehen auf dem grünen Rasen, widmen uns aber rasch wieder unser grünen Umgebung.

Denn unsere Wanderung verläuft nicht nur entlang von Stränden. Diese sind durch einen Pfad verbunden, der sich teilweise entlang der Küste schlängelt, teilweise jedoch auch kurze Abbiegungen in das Innere des Nationalparks nimmt. Manchmal wächst vertrocknetes Gestrüpp um den Weg herum, dann passieren wir wieder Abschnitte, in denen Palmen emporragen. Häufig sind Gruppen von Affen auszumachen, die von Ast zu Ast springen und uns neugierig hinterherschauen.

Die Strände sind durch Pfade miteinander verbunden.

Die Strände sind durch Pfade miteinander verbunden.

Affen sichten wir auf unserer Erkundungstour ständig.

Affen sichten wir auf unserer Erkundungstour ständig.

Nun stehen wir am dritten Strand. La Piscina. Übersetzt: das Schwimmbad. Und so ist es an diesem Sandstreifen auch. Das Wasser ist ruhig, kaum Wellengang. Und auch kein Sog, der Schwimmer auf das offene Meer ziehen könnte. Es kann dementsprechend lustig drauflos geschwommen werden.

Der Strand La Piscina.

Der Strand La Piscina.

Wir begeben uns auch ins kühle Nass, das uns ein wenig erfrischt. Außerhalb des Wassers ist nämlich Hitze pur angesagt. Trotz der Tatsache, dass die Sonne immer noch nicht so recht zum Vorschein kommen will.

Nach der Abkühlung im Wasser.

Nach der Abkühlung im Wasser.

Zum Vorschein kommt nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch hingegen der letzte Strand, den wir heute besuchen. Cabo San Juan de Guía. Dieser Strand besteht aus zwei schönen Buchten, in deren Mitte eine Erhöhung aus Steinen zu erkennen ist. Ein überdachter Pavillon ist darauf errichtet worden.

Weiter geht es - mit Blick aufs Meer.

Weiter geht es – mit Blick aufs Meer.

Eine Welle rauscht heran.

Eine Welle rauscht heran.

Der schönste Strand im Bunde: Cabo San Juan de Guía.

Der schönste Strand im Bunde: Cabo San Juan de Guía.

Diesen schauen wir uns genauer an. Und von hier fällt uns auf, dass nicht nur der Strand gut besucht ist, sondern auch der sich dahinter erstreckende Campingplatz fast aus allen Nähten platzt. Jedes Zelt ist belegt, sagt ein Mann, der neben uns an das Geländer gelehnt ist – und wohl unsere Gedanken erahnen kann.

Der Pavillon auf einer Felsformation.

Der Pavillon auf einer Felsformation.

Blick von oben.

Blick von oben.

Neben einer leicht ramponierten kolumbianischen Flagge.

Neben einer leicht ramponierten kolumbianischen Flagge.

Der Campingplatz am letzten Strand.

Der Campingplatz am letzten Strand.

Dies ist auch Danielas Stärke, die mir meinen Hunger ansieht. Auf dem Rückweg kehren wir daher in die Bäckerei ein, die sich am Rand des Strandes Arrecifes in einer unscheinbaren Holzhütte befindet. Schokoladenbrot soll die Spezialität des Hauses sein, wie wir erfahren haben. Wir bestellen es. Dazu gibt es Kaffee. Das Brot mit der süßen Füllung schmeckt – und sättigt. Der Rest des Tages ist gerettet.

Die Bäckerei am Strand Arrecifes.

Die Bäckerei am Strand Arrecifes.

Es gibt Schokoladenbrot, wie jeden Tag während unseres Aufenthalts im Nationalpark.

Es gibt Schokoladenbrot, wie jeden Tag während unseres Aufenthalts im Nationalpark.

Anstrengende Wanderung zu den Ruinen von Pueblito

Am kommenden Tag machen wir uns am Morgen wieder auf nach Cabo San Juan de Guía. Dieses Mal allerdings nicht, um am Strand in der Sonne zu brutzeln und im Meer zu baden. Nein, von Cabo San Juan de Guía geht es in das Innere des Nationalparks.

Erneut auf dem Weg nach Cabo San Juan de Guía.

Erneut auf dem Weg nach Cabo San Juan de Guía.

Der Grund: Wir möchten die archäologischen Ruinen von Pueblito – eine ehemalige Ortschaft, die vom präkolumbianischen Volk der Tayrona bewohnt wurde – besichtigen, die sich in den Bergen des Naturreservats befinden. Weit weg von der idyllischen Küstenlinie.

Ohne Fleiß kein Preis, denken wir, als wir uns den aus aufeinandergesetzten Steinen bestehenden Weg nach oben mühen. Es ist wieder einmal eine anstrengende Aufgabe, der wir uns stellen. Bei der an der kolumbianischen Karibikküste vorherrschenden Hitze ist allerdings bereits das Umdrehen in der Hängematte mühevoll. Trekking unter erschwerten Bedingungen.

Es geht steil nach oben.

Es geht steil nach oben.

Der Steinpfad ist anspruchsvoll.

Der Steinpfad ist anspruchsvoll.

Fast zwei Stunden benötigen wir auf dem anspruchsvollen Steinpfad, bis wir eine Informationstafel erreichen, auf der Wissenswertes über Pueblito vermerkt ist. Zum Beispiel, dass das Dorf mal circa 200 Bewohner hatte. Und jetzt sind wir hier.

An den Ruinen Pueblito angekommen.

An den Ruinen Pueblito angekommen.

Hier lebten früher die Tayrona-Indianer.

Hier lebten früher die Tayrona-Indianer.

Wir schlendern zuerst einmal Treppenstufen nach unten – und verschaffen uns einen Eindruck von der Anlage, die inmitten tropischer Vegetation liegt. Wir entdecken mehrere palmblattgedeckte Rundhäuser aus Holz, die den Behausungen der Tayrona-Indianer nachempfunden wurden. Vor einer dieser Hütten sitzt ein indigenes Mädchen – und starrt in der Gegend umher. Ein paar Touristen stecken ihr Süßigkeiten zu, die Kleine nimmt diese entgegen und macht sich aus dem Staub. Wir gehen ebenfalls weiter.

Wir erkunden den Ruinenkomplex.

Wir erkunden den Ruinenkomplex.

Wohl etwas irritiert von den Touristen, dieses indigene Mädchen.

Wohl etwas irritiert von den Touristen, dieses indigene Mädchen.

Eine der nachgebauten Hütten.

Eine der nachgebauten Hütten.

Der Ruinenkomplex ist nicht sonderlich groß. Schnell haben wir sprichwörtlich unter alle Steine geschaut. „Wenig spektakulär“, sage ich zu Daniela. Sie nickt. Doch gelohnt hat sich der Besuch in Pueblito trotzdem. Denn in diesem Fall ist ganz bestimmt der beeindruckende Weg das Ziel.

Und diesen Pfad wandern wir wenig später zurück zum Strand Cabo San Juan de Guía, wo wir uns nach den Strapazen des Tages im Ozean erfrischen, bevor wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder an unserem Campingplatz ankommen.

Wir sind wieder auf unserem Campingplatz.

Wir sind wieder auf unserem Campingplatz.

4 Kommentare

  1. Karin Methner sagt

    Eure Reise war anstrengend aber auch sehr sehr schön. Jetzt hat sie bald ein Ende.
    Ihr seht auf den Bildern immer glücklich und zufrieden aus!
    Vielleicht hört man es auch mal life aus euren Mund, das die Reise für Euch ein voller Erfolg war. Ich wünsche Euch einen guten Heimflug.

    • Von einer Reise

      Vielen Dank. Die Reise war wunderschön, wir haben diesen genialen Kontinent in vollen Zügen genossen und können gar nicht glauben, dass acht Monate bald bereits vorbei sind. Aber auf dieser Seite gehen unsere Geschichten aus Südamerika noch weiter, wir haben noch längst nicht alle erzählt. Und klar: Gerne berichten wir auch mal persönlich.

  2. renecorina sagt

    Schöne Karibik….träum. Das warst dann wohl und jetzt schnell nach Hause. Freuen uns auf Euch…

    • Von einer Reise

      Träumen kann man auf diesem Blog auch weiterhin. Zahlreiche weitere Texte aus Südamerika – und danach aus aller Welt – folgen hier. Und: Wir freuen uns auch auf Euch.

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