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Angekommen in einer anderen Welt

Den Vulkan El Misti sieht man von fast überall in Arequipa.

Den Vulkan El Misti sieht man von fast überall in Arequipa.

Nun also Peru. Unser erster Halt im dritten Land auf unserer Südamerika-Reise ist das auf 2.335 Metern gelegene Arequipa, das durch eine von drei Vulkanen umgebene, beeindruckende Lage und ansehnliche Architektur besticht. Doch die Stadt im Süden Perus ist für uns noch viel mehr: Sie ist der Startschuss für unser Abenteuer in einer Welt voller Straßenhektik, Verkaufsgetümmel und landschaftlicher Schönheit.  

Arequipa. Wir laufen mit staunenden Blicken durch die belebten, fast schon überfüllten, vor lauter Autohupen dröhnenden Straßen von Arequipa. Angekommen in Peru. Dem dritten Land auf unserer Reise durch den abwechslungsreichen und kunterbunten Kontinent Südamerika. Und zum ersten Mal fühlt es sich so an, als ob wir in einer anderen Welt gelandet wären.

Alle paar Meter bieten Händler im Getümmel ihre Waren an. Verkauft wird in Peru überall eigentlich alles – die (natürlich längst nicht vollständige) Liste reicht von auf DVDs gebrannten Kinofilmen über gefälschte Fußballtrikots bis zu vom Lkw gefallene Handys. Hinzu kommen die unzähligen – teilweise mobilen, teilweise fest am Wegrand platzierten – Essensstände, die von den Einheimischen vor allem zur Mittagszeit aufgesucht werden. Dort essen die Arequipeños typische peruanische Gerichte wie Anticucho (am Spieß gegrilltes Rinderherz), Ceviche (roher Fisch und Meeresfrüchte in Limettensaft mariniert), Salchipapa (frittierte Würstchen mit Pommes) oder Chicharrón de Chancho (geröstetes Schweinefleisch mit einer dicken Speckschwarte). Es riecht ununterbrochen nach gebratenem Fett. Vermischt mit weiteren Gerüchen, die wir so von den Straßen deutscher Städte nicht kennen.

Diese ersten Eindrücke in Arequipa lassen bereits eine frühzeitige Schlussfolgerung zu: Peru ist mit Argentinien und Chile, die immer mal wieder eine gewisse Ähnlichkeit mit Europa aufblitzen lassen, nur schwer zu vergleichen. Nein, in Peru ticken die Uhren anders, als in den beiden südlich gelegeneren Ländern.

Daniela kennt die peruanische Lebensart ja bereits durch einen längeren Aufenthalt in diesem Land aus dem Effeff. Für mich ist es eine Premiere. Eine, die mir sehr gut gefällt. Ich habe das manchmal unübersichtliche, chaotische und laute Peru sofort in mein Herz geschlossen.

Arequipa überzeugt – vor allem dank der spektakulären Lage

Wir nehmen uns Zeit in und für Arequipa – und erkunden die Stadt im Süden Perus mehrere Tage lang. Einer unserer ersten Wege im Stadtzentrum, das mit seinen schönen Häusern aus weißem Gestein seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, führt uns zielstrebig zum Plaza de Armas, dem zentralen Platz von Arequipa.

Der belebte Plaza de Armas im Herzen von Arequipa.

Der belebte Plaza de Armas im Herzen von Arequipa.

Eine der schönen Arkaden im Stadtzentrum.

Eine der schönen Arkaden im Stadtzentrum.

Als wir an dem Platz im Herzen der Stadt ankommen, sind die Sitzbänke, die im Schatten der Palmen stehen, bereits fast alle besetzt. Die Arequipeños und Touristen genießen das warme Wetter und lassen sich die Sonne in die Gesichter scheinen. Eisverkäufer drehen auf dem Plaza de Armas ihre Runden. Die unzähligen Tauben werden immer wieder von Fußgängern aufgescheucht – und fliegen mit gurrendem Getöse auseinander. Eine der vier Seiten des Platzes wird außerdem von der großen, hellen Kathedrale flankiert. Nicht nur eine Touristenattraktion, sondern vor allem eine heilige Stätte für die meisten Bewohner Arequipas.

Die Kathedrale befindet sich direkt am Plaza de Armas.

Die Kathedrale befindet sich direkt am Plaza de Armas.

Jetzt wollen wir die Stadt aber auch einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen. Unser Weg führt uns deswegen in den Stadtteil Yanahuara, der einen gleichnamigen Aussichtspunkt zu bieten hat. Von hier können wir große Teile Arequipas überblicken. Allerdings bannen insbesondere die drei riesigen Vulkane unsere Blicke, die sich unmittelbar vor den Toren der Stadt befinden. Große weiße Wolken umhüllen heute den Gipfel des kegelförmigen, 5.822 Meter hohen El Misti. Der länger gezogene Chachani ist mit 6.075 Metern sogar noch etwas höher. Der dritte im Vulkanbunde ist der Picchu Picchu, dessen höchster Punkt immerhin 5.486 Meter misst.

Posieren mit dem Vulkan El Misti.

Posieren mit dem Vulkan El Misti.

Arequipa ist von einigen hohen Bergen umgeben.

Arequipa ist von einigen hohen Bergen umgeben.

Ganz so hoch liegt der Mercado San Camilo im Zentrum von Arequipa natürlich nicht. Aber auch hier kann einem ganz schön schwindelig werden – wegen der immensen Auswahl an Lebensmitteln und anderen Gegenständen. Wir konzentrieren uns an diesem Tag aber auf den Bereich des Marktes, wo frische Säfte zusammengemixt werden. Zwei davon genehmigen wir uns. Lecker.

Der Mercado San Camilo bietet eine große Auswahl.

Der Mercado San Camilo bietet eine große Auswahl.

Frischen Saft gibt es auf dem Mercado San Camilo auch.

Frischen Saft gibt es auf dem Mercado San Camilo auch.

Diesen mussten wir probieren.

Diesen mussten wir probieren.

Leidenschaftlicher (Amateur-)Fußball inklusive beeindruckendem Panorama

Doch wir tummeln uns nicht nur im touristischen Teil Arequipas. Vor allem die Bezirke, die außerhalb des Stadtzentrums liegen, faszinieren uns, da sie einen authentischeren Einblick in den geschäftigen Alltag vieler Arequipeños ermöglichen.

Durch eines dieser Viertel gehen wir, als wir bereits in einigen hundert Metern Entfernung vier große Flutlichtmasten erblicken. Wir nähern uns – und stehen schließlich vor den geöffneten Toren des Estadio Melgar. Wenige Momente später und zwölf Soles ärmer sitzen wir inmitten peruanischer Fußballfans auf der Haupttribüne des renovierungsbedürftigen, 15.000 Plätze fassenden Stadions. Heute sind aber weit weniger gekommen. Vielleicht 500 Zuschauer haben Tickets für die Spiele des Pokalwettbewerbs Copa Perú gekauft und schauen sich zuerst den knappen 1:0-Sieg von FBC Aurora gegen Club Deportivo San Francisco an. Danach gewinnt FBC Piérola verdient mit 3:1 gegen Club Internacional.

FBC Piérola (rot-blaue Hemden) gewinnt und zieht in die nächste Runde ein.

FBC Piérola (rot-blaue Hemden) gewinnt und zieht in die nächste Runde ein.

Die verschiedenen Fanlager sitzen dicht nebeneinander auf den Rängen. Anfeuerungsrufe ertönen. Ein beleibter Mann hinter uns ist nicht aufzuhalten: Vamos Inter, schreit er fast ununterbrochen und bis zur letzten Minute des Spiels aus voller Kehle. Auch, wenn seine in Weiß spielenden Schützlinge vom Anpfiff an dem Gegner hoffnungslos hinterherlaufen. Die neben uns sitzenden älteren Herren regen sich hingegen pausenlos über ein paar der Spieler ihres Lieblingsvereins auf. Wohl wie immer. Dorffußballatmosphäre, die Erinnerungen an meine eigene Fußballzeit hervorruft. Ob Peru oder Deutschland, die Situationen und Gegebenheiten ähneln sich in diesem Fall.

Unten rollt der Ball, auf der Tribüne gibt der harte (kleine) Kern der Fans von FBC Aurora den Ton an - mit Pausen.

Unten rollt der Ball, auf der Tribüne gibt der harte (kleine) Kern der Fans von FBC Aurora den Ton an – mit Pausen.

Kritische Zuschauer in Arequipa.

Kritische Zuschauer in Arequipa.

Allerdings gibt es auch einen gewaltigen Unterschied. Als nämlich mein Blick über den oberen Rand des an dieser Stelle leeren Stadions schweift, bin ich erneut von der Lage Arequipas fasziniert: Der (bereits erwähnte) Vulkan El Misti ragt hinter dem weiten Rund in den bewölkten Himmel – und sorgt so für ein Panorama, das ich noch in keinem anderen Fußballstadion dieser Welt bestaunen durfte.

Fußball vor beeindruckendem Panorama: Im Hintergrund ist der Vulkan El Misti zu sehen.

Fußball vor beeindruckendem Panorama: Im Hintergrund ist der Vulkan El Misti zu sehen.

Ein Sinnbild für die Schönheit Arequipas, denke ich mir, als wir abends auf der Dachterrasse unseres Hotels sitzen – und von Vulkanen umgeben sind.

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