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Cusco auf unbetretenen Wegen

Cusco und der Plaza de Armas von oben fotografiert.

Zu Zeiten der Inka war Cusco das Zentrum ihres Imperiums und als „Nabel der Welt“ bekannt. Heute ist die Stadt im peruanischen Andenhochland mit ihren schönen Kirchen, historischen Gebäuden und erhaltenen Inkaruinen ein Touristenmagnet. Doch diese Sehenswürdigkeiten reichten uns nicht aus. Wir wollten Cusco von oben betrachten – und sind daher auf überraschend-unbetretenen Wegen zu einem Aussichtspunkt gegangen. Aus einem Spaziergang wurde ein kleines Abenteuer.

Cusco. Unser Wunsch ist eigentlich ganz simpel. Wir möchten zu Fuß zur weißen Christusstatue gehen, die auf einem Hügel oberhalb von Cusco inmitten der Anden thront. Gut, diese Statue kann es bestimmt nicht mit der weltbekannten in Rio de Janeiro aufnehmen, aber von dem Ausblick von oben auf den von den Inka erbauten „Nabel der Welt“ – so die Bedeutung des aus dem Quechua stammenden Wortes Cusco – versprechen wir uns viel. Die Umsetzung unseres Wunsches stellt sich allerdings als deutlich schwieriger heraus, als vorher von uns angenommen.

Ein todsicherer Plan

Ohne Informationen einzuholen, wie wir am besten zur Christusstatue gelangen, latschen wir los. Unser Plan: Wir laufen von unserer privaten Unterkunft in einem Außenbezirk von Cusco durch das historische Zentrum mit dem Plaza de Armas sowie seinen zahlreichen Kirchen und verwinkelten Gassen einen der Hügel der Stadt bis nach oben zur Inka-Ruinenstätte Sacsayhuaman hinauf. Von dort gelangen wir schon irgendwie problemlos zur großen Statue. Das denken wir zumindest. Denn diese liegt in der Nähe unseres gewünschten Zielortes.

Blick Richtung historisches Zentrum von Cusco.

Blick Richtung historisches Zentrum von Cusco.

Coricancha, der Sonnentempel der Inka.

Coricancha, der Sonnentempel der Inka.

Als wir schließlich vor dem Eingang von Sacsayhuaman stehen, wird unser Plan bereits auf die erste Probe gestellt. Die freundliche Dame am Ticketschalter der Sehenswürdigkeit sagt uns nämlich, dass wir hier leider nicht zur Christusstatue weiterkommen. Sie könne uns aber helfen, so die Verkäuferin, denn sie kenne einen Weg. Er sei auch leicht zu finden. Wir müssen einfach nur die Straße, auf der wir uns im Moment befinden, ein Stück zurückgehen und dann nach links in das kleine Wohnviertel abbiegen. Dort der Gasse folgen, bis wir an den Hang gelangen, wo es einen Pfad gebe, der uns direkt zu Christus führe. Okay, könnte klappen, hoffen wir – und sind nun wieder zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zum Erlöser zu sein.

Der Plaza de Armas in Cusco.

Der Plaza de Armas in Cusco.

Die Jesuitenkirche am Plaza de Armas.

Die Jesuitenkirche am Plaza de Armas.

Die Kathedrale von Cusco.

Die Kathedrale von Cusco.

Das Viertel der wildgewordenen Hunde

Ein älterer Mann spricht uns an, als wir durch das Barrio schlendern. Hay perros aqui. Hier gibt es Hunde. Das ist in Peru nichts Außergewöhnliches, die Vierbeiner lungern eigentlich an fast jeder Straßenecke herum. Aber wenn ein Bewohner dieses Viertels dies explizit erwähnt, sollten wir gewarnt sein, vermuten wir.

Die Straßen von Cusco.

Die Straßen von Cusco.

Auf dem Weg nach oben.

Auf dem Weg nach oben.

Es kommt, wie es kommen muss. Ein paar Meter weiter hören wir sie schon bellen. Mit gefletschten Zähnen rennen sie in unsere Richtung. Wir bleiben wie vereist stehen. Der Besitzer des Grundstückes steht hinter einer circa ein Meter hohen Steinmauer und hackt Holz. Er grüßt uns höflich, als wären die wildgewordenen Hunde gar nicht in unserer Nähe. Wir erzählen ihm, dass wir auf den Pfad zur Christusstatue möchten. Ja, ja, dann müssen wir hier an seinem Haus vorbei. Er zeigt in die Richtung der wütenden Kläffer, die derzeit immerhin noch Abstand zu uns halten. Wir schauen ihn ungläubig an. Aber werden die Hunde uns nicht angreifen, wenn wir versuchen, sie zu passieren, fragen wir. Nein, nein, steigt einfach auf die Mauer und geht vorbei, es wird nichts passieren, lautet seine Antwort in etwa.

Cusco liegt auf über 3.000 Metern, da sind kurze Pausen notwendig.

Cusco liegt auf über 3.000 Metern, da sind kurze Pausen notwendig.

Viele Treppenstufen führen in die höhergelegenen Stadtteile.

Viele Treppenstufen führen in die höhergelegenen Stadtteile.

Wir fassen all unseren Mut zusammen, steigen auf das Mäuerchen und setzen uns in Bewegung. Pustekuchen. Von wegen Hunde sind die besten Freunde des Menschen. Diese Exemplare haben davon offensichtlich noch nichts gehört. Sie springen Richtung Erhöhung. Einer der beiden schnappt nach Danielas Bein, verfehlt es aber zum Glück um ein Haar. Das Kläffen wird intensiver. Dies geht der Hausherrin wohl zu weit, sie tritt aus der Tür und schreit den Hunden etwas entgegen. Sofort ziehen sich die eben noch wilden Bestien zurück und legen sich wie zahme Schoßhündchen vor ihre Füße. Wir hören unsere Herzen laut schlagen und setzen unseren mittlerweile abenteuerlichen Spaziergang unbeschadet fort.

Dieser Weg ist doch kein Weg

Und schon wartet das nächste Hindernis auf uns, als sich der grüne, steile Hang vor uns ausbreitet. Es ist zwar auf dem Boden schwach eine Art Pfad zu erkennen, der ist allerdings kaum seinen Namen wert. Wir gehen die ersten Meter und unser Eindruck bestätigt sich. Diesen Weg scheint seit Wochen, Monaten, vielleicht Jahren niemand mehr beschritten zu haben.

Durch dieses Dickicht mussten wir durch.

Durch dieses Dickicht mussten wir durch.

Die umliegenden Sträucher und Äste ragen immer weiter in den Pfad hinein. Wir kommen zu einer Stelle, wo dichter Busch diesen komplett bedeckt. Eine Machete haben wir zu unserem Bedauern nicht dabei, den Weg können wir uns also nicht freischlagen. So müssen wir fast krabbeln, um uns aus dem Dickicht zu befreien. Es hat in der Nacht geregnet. Der Boden ist matschig und rutschig. Schon nach ein einigen Minuten sind wir klitschnass.

Im Hang schleichen auch Hunde herum. Sind die wie die Kläffer unten in der Stadt? Keine Ahnung, aber wir sind "vorbereitet".

Im Hang schleichen auch Hunde herum. Sind die wie die Kläffer unten in der Stadt? Keine Ahnung, aber wir sind „vorbereitet“.

Einer der besseren Abschnitte des Weges.

Einer der besseren Abschnitte des Weges.

Dann erreichen wir eine Lichtung. Von hieraus können wir den Besitzer unserer vierbeinigen Freunde sehen, der weiterhin auf seinem Grundstück arbeitet. Wir rufen ihn und fragen, ob dies denn hier wirklich der korrekte Weg zur Christusstatue ist. Er bejaht, hört aber wohl die Zweifel in unseren Stimmen. Wir gehen unsicher weiter.

Wir sehen mittlerweile etwas erschöpft aus.

Wir sehen mittlerweile etwas erschöpft aus.

Wieder stecken wir im Dickicht. Allerdings erhalten wir aus dem Nichts Hilfe. Der Mann von eben steht auf einmal neben uns. Er ist den Berg hochgeeilt. Nun geht er vor. Er kämpft sich durch die dichtgewachsenen Pflanzen und zeigt uns den Weg. Wir haben die Statue schon beinahe erreicht, als wir uns voneinander verabschieden. Unser Dank ist herzlich. Die Attacken seiner Hunde haben wir ihm spätestens jetzt verziehen.

Es ist endlich geschafft. Die Statue oberhalb von Cusco ist erreicht. Die Aussicht auf die roten Dächer der Stadt entlohnt uns für den überraschend-beschwerlichen Ausflug.

Die Christusstatue im Blick, fast ist es geschafft.

Die Christusstatue im Blick, fast ist es geschafft.

Das Ziel ist endlich erreicht.

Das Ziel ist endlich erreicht.

Mit einem tollen Ausblick auf Cusco werden wir für die Strapazen belohnt.

Mit einem tollen Ausblick auf Cusco werden wir für die Strapazen belohnt.

Den Rückweg gestalten wir außerdem deutlich angenehmer für uns. Wir stellen uns an die Straße und halten den erstbesten Bus an, der in die Innenstadt von Cusco fährt. Als der Busfahrer auf das Gaspedal tritt, wird die Christusstatue in unseren Augenwinkeln immer kleiner – bis sie ganz verschwunden ist.

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