Reisegedanken
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Südamerika, te queremos

Eine Liebeserklärung an den großartigen Kontinent Südamerika und an seine lebensfrohen Bewohner.

Es ist dunkel. Und die Stadt, in der wir uns in diesem Moment befinden, ist riesig und unübersichtlich. Fortaleza im Nordosten Brasiliens.

Das Spiel Deutschland gegen Ghana bei der Fußball-WM 2014, das wir live im Stadion verfolgt haben, ist vor kurzem zu Ende gegangen. Wir stehen an einer Bushaltestelle an einer viel befahrenen Straße. Der Verkehr gerät immer wieder ins Stocken. Hunderte warten in einem dicht gedrängten Knäuel aus Menschen auf Busse, die sie in andere Teile der Metropole transportieren sollen.

Auch wir warten. Und sind überfordert. Denn unsere Unterkunft befindet sich in einem Strand-Vorort von Fortaleza. Und wir wissen nicht, wie wir dorthin kommen sollen. Nur eins ist uns derzeit klar: Die Fahrt mit einem Taxi ist uns zu teuer.

Mit der freundlichen Dame im Bus

Wir sehen wohl verloren aus. Leute sprechen uns an. Sie fragen uns, wo wir hin wollen. Bald sind zehn Personen damit beschäftigt, für uns herauszufinden, wie wir am besten zu unserem Zielort gelangen. Es scheint kompliziert zu sein. Die Meinungen gehen auseinander. Die Fürsorge ist groß, die Planlosigkeit allerdings auch.

Warten, warten, immer noch warten. Der Bus, den wir laut des spontan zusammengerufenen Beratungsgremiums nehmen sollen, kommt einfach nicht. Eine Frau mischt sich ein. Sie steht erst seit kurzem in unserer Nähe – und spricht uns nun an. Sie müsse in das Nachbardorf, sie wisse also, wie wir in den Vorort von Fortaleza kommen. Es sei etwas kompliziert. Wir müssten zwei Mal umsteigen. Aber wir können uns ihr anschließen, sie zeige uns den Weg.

Gesagt, getan. Wir folgen der freundlichen Dame. Sie freut sich, uns helfen zu können, sagt sie. Nach über einer Stunde Busfahren erreichen wir endlich unser Ziel. Wir sind erleichtert und verabschieden uns dankbar.

Dies ist nur ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft, die wir täglich in Südamerika erleben durften.

Ist Südamerika gefährlich? Wir sagen nein!

Als wir von unseren Plänen berichtet haben, knapp ein Jahr durch Südamerika zu reisen, guckten uns viele skeptisch an. Seid aber vorsichtig, passt auf Euch auf – diese und ähnliche Sätze haben wir vor unserer Südamerika-Reise sehr häufig gehört.

Zum einen zeigt dies, dass sich unsere Familien und Freunde um uns sorgen, worüber wir unendlich dankbar sind. Zum anderen ist aus diesen liebgemeinten Warnungen allerdings auch abzuleiten, dass Südamerika für viele als gefährlich gilt, dass der Respekt vor diesem Kontinent enorm ist.

Respekt hatten wir vorab. Gar keine Frage. Die Größe des Kontinents. Und auch die vieler Städte. Die immensen sozialen Unterschiede. Geschichten von Überfällen. Aber muss man Bammel haben, wenn es nach Südamerika geht?

Für uns können wir die Frage eindeutig beantworten: nein. In all den Monaten gab es nicht eine Situation, in der es „brenzlig“ wurde, in der uns das Herz in die Hose gerutscht ist, in der wir in Gefahr waren. Fehlanzeige. Zum Glück.

Überwältigende Gastfreundschaft und Herzlichkeit

Ganz im Gegenteil: Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Südamerikaner hat uns sehr oft verblüfft und begeistert. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Ob in Argentinien, Chile, Peru, Bolivien, Brasilien, Kolumbien oder Ecuador. Überall.

Nur das unter anderem durch Korruption gebeutelte Venezuela war vielerorts gewöhnungsbedürftig. Vor allem die ständige Militärpräsenz und die fast stündlich stattfindenden Kontrollen während der Nachtfahrten mit dem Bus waren auffällig und haben an unseren Nerven gezerrt. Aber auch in Venezuela erging es uns gut.

Ein Gefühl fast wie zu Hause

Häufig fühlten wir uns während unserer Reise sogar fast wie zu Hause. Zum Beispiel bei Luz und Michelle. Das chilenisch-belgische Ehepaar führt eine Pension im Valle de Elqui in Chile. Als wir bei den beiden übernachtet haben, gab es keine anderen Gäste. Und so kam es, dass die beiden uns förmlich mit Aufmerksamkeit überschüttet haben.

Wir Backpacker bekamen nicht nur einen Rabatt, sondern wurden auch zu einem üppigen Barbecue eingeladen. Luz hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, unsere verschmutzte Wäsche zu waschen. Mit unseren Gasteltern für ein paar Tage stehen wir per E-Mail immer noch in Kontakt.

Südamerika vereint Schönheit und Abenteuer

Doch nicht nur die Bewohner des riesigen Kontinents haben bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch die Natur und die Landschaften Südamerikas haben sich mit farbenfrohen Bildern tief in unsere Gedächtnisse eingebrannt. Die bewachsenen Andenhänge in Peru, der grüne Dschungel Kolumbiens, der blaustrahlende Titicacasee in Bolivien, die goldgelben Strände Brasiliens und die schroff-schönen Galapagosinseln. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Draußen in der Natur sein, das geht in Südamerika ganz wunderbar. Und dabei gezielt oder ganz unverhofft über das nächste Abenteuer zu stolpern.

Unser größtes Abenteuer in Südamerika? Vielleicht war es das Erklimmen des Berges Huayna Potosí. Auf dem Gipfel des bolivianischen 6.000ers stehend und nach Luft schnappend, wurde es uns endgültig klar: Südamerika vereint Schönheit und Abenteuer.

Wir haben Südamerika und die Südamerikaner fest in unsere Herzen geschlossen. Und vermissen diesen liebenswerten Flecken Erde bereits jetzt schon.

Deutschland hat uns mittlerweile wieder. Aber: Südamerika, te queremos.

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