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Einladung zum Tee im Nirgendwo

Wadi Dana ist mit über 300 Quadratkilometern das größte Naturreservat Jordaniens – und für Touristen, die in einer abgeschiedenen Gegend wandern möchten, genau das richtige. Auf unserer eintägigen Erkundungstour durch die Schlucht haben wir ausschließlich die Bekanntschaft von zwei jordanischen Hirten gemacht, die uns spontan zu Tee und Brot eingeladen haben.

Wadi Dana. Es ist ein trüber Dezember-Nachmittag, als wir im Dorf Dana oberhalb der gleichnamigen Schlucht ankommen. Blökende Ziegen stellen sich dem klapprigen Bus in den Weg. Ein dichter grauer Schleier hat sich über das kleine Dorf aus durcheinander gewürfelten osmanischen Bauernhäusern aus hellem Stein gelegt. Wir sind auf der Suche nach einer Unterkunft. Und haben freie Auswahl. Tote Hose in Dana, das uns in diesem Moment wie ein Geisterdorf vorkommt.

Schwere Zeiten für Jordanier, die vom Tourismus leben

Wir entscheiden uns schnell für ein schickes Zimmer mit Blick auf den Canyon zu einem schlanken Preis. „Im Dezember ist es hier oft ruhig. Aber das so gut wie gar nichts los ist, das ist ungewöhnlich“, sagt der Besitzer der Unterkunft. „Der Tourismus in Jordanien durchlebt schwere Zeiten. Der Krieg in Syrien. Auch unsere anderen Nachbarländer haben mit großen Problemen zu kämpfen. Deswegen haben viele Touristen Angst, nach Jordanien zu reisen.“

Er nennt ein konkretes Beispiel: Im Dezember sei sein Hotel für den bei Touristen eigentlich beliebten Monat April, in dem in der Schlucht unzählige Wildblumen ein beeindruckendes Bild abgeben, in der Regel bereits ausgebucht. „Bis jetzt habe ich aber keine einzige Reservierung für den kommenden April. Das bereitet mir Sorgen.“

Hinein in die riesige Schlucht

Der nächste Morgen bricht an. Wir ziehen den Vorhang auf. Grelles, warmes Licht fällt in unser Zimmer, in dem eine kleine, mobile Heizung ihr bestes gibt. Das Wadi Dana, durch das wir heute wandern, liegt vor uns.

Blick in die Schlucht.

Blick in die Schlucht.

Wenig später schlendern wir durch die verwaisten Gassen des Dorfes und folgen dem staubigen Weg in die Schlucht hinein. An den steilen Felswänden sind grüne Büsche und Sträucher zu erkennen. Jetzt stehen wir inmitten des riesigen Canyons – und fühlen uns ganz klein.

Gastfreundschaft wird in Jordanien großgeschrieben

Auf unserer eintägigen Wanderung durch das Wadi Dana sind wir allein mit der faszinierenden Natur. Bis wir die Klänge einer Flöte und das Läuten von Glocken aus der Ferne hören, die aber von Minute zu Minute deutlicher zu vernehmen sind.

Der Hirte und ein Teil seiner Ziegenherde.

Der Hirte und ein Teil seiner Ziegenherde.

Eine blökende Ziegenherde kommt uns entgegen. Auf einem Esel sitzt ein Hirte, der uns aus der Entfernung winkt. Wir grüßen zurück und unterhalten uns mit „Händen und Füßen“, da der junge Jordanier kaum Englisch spricht. Er sei aus einem Dorf in der Nähe von Dana und habe eine Frau sowie zwei kleine Kinder. Außerdem würde er uns gerne zu einem Tee einladen. Wir nehmen die Einladung dankend an.

Teezubereitung im Wadi Dana.

Teezubereitung im Wadi Dana.

Der Hirte sammelt trockene Äste und entzündet ein loderndes Feuer. Er setzt den Tee auf – mit viel Zucker, wie das in Jordanien üblich ist. Einige Minuten später lassen wir uns das süße Heißgetränk schmecken. Der Hirte sagt: „Welcome to Jordan.“ Und grinst uns freundlich an.

Zum Tee kommt Brot dazu

Nach dem Gaumen- folgt wieder der Augenschmaus. Der Weg schlängelt sich durch die Schlucht. Wir biegen ab und folgen einem kaum zu erkennenden Pfad, der uns die Felswand hochführt. Von weiter oben haben wir einen herrlichen Ausblick auf das weite Wadi Dana.

Über Stock und Stein poltern wir in Richtung Tal. Kaum zu überhören und zu übersehen. Ein weiterer Hirte sieht uns und wartet, bis wir auf seiner Höhe sind. Wir erblicken ihn nun auch – und prompt haben wir die nächste Einladung erhalten. Er bietet uns Tee an. Klar. Doch dieses Mal gibt es sogar noch Brot, das er in einer Glut auf dem Boden zubereitet.

Wir schlürfen den – erneut sehr süßen – Tee und kosten das leckere, salzige Brot. Mein Glas ist leer, der Hirte füllt es wieder auf. Er selber hat kein Teeglas. Ich reiche ihm meins. Er lehnt ab und sagt Worte, die die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Jordanier versinnbildlichen: „It‘s all for you, my friends.”

Auf dem Rückweg.

Auf dem Rückweg.

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